07. September 2026
Humanoide Roboter und der Arbeitsmarkt: Welche Jobs sie 2026 wirklich übernehmen
Humanoide Roboter und Arbeitsplätze 2026: Welche Tätigkeiten belegt übernommen werden, was die IAB-Daten wirklich sagen und warum Deutschland den Praxistest längst hinter sich hat.
Bild: KI-Illustration (Higgsfield), erstellt für humanoid-portal.de · KI-generiert, keine reale Fotografie
Die Frage, welche Jobs humanoide Roboter übernehmen, wird meistens im Futur beantwortet. Sie lässt sich aber auch im Perfekt beantworten, und das Ergebnis ist ernüchternder und interessanter zugleich.
Der weltweit am besten dokumentierte Einsatz eines humanoiden Roboters ist ein einzelnes Gerät. Ein Figure 02 arbeitete 2025 zehn Monate lang im BMW-Werk Spartanburg, in Zehnstundenschichten von Montag bis Freitag. Bilanz nach Angaben von BMW: rund 1.250 Betriebsstunden, über 90.000 bewegte Bauteile, etwa 1,2 Millionen Schritte, beteiligt an der Produktion von mehr als 30.000 BMW X3. Das ist ein sauberer Machbarkeitsnachweis. Es ist auch die Arbeit, die eine Person in wenigen Wochen leistet.
Dieser Beitrag sortiert, was 2026 belegt ist, was angekündigt ist und was die Zahlen über den deutschen Arbeitsmarkt wirklich sagen.
Was Humanoide 2026 tatsächlich tun
| Betrieb | Roboter | Tätigkeit | Status |
|---|---|---|---|
| BMW Spartanburg, USA | Figure 02, ein Gerät | Blechteile entnehmen und für den Schweißprozess positionieren | belegt, 10 Monate in 2025 |
| BMW Spartanburg, USA | Figure 03 | Bauteile aus Großladungsträgern in Sequenzwagen einsortieren | im Juni 2026 angekündigt, Betriebsaufnahme nicht bestätigt |
| BMW Leipzig | Hexagon AEON | Hochvoltbatterie-Montage, Komponentenfertigung | belegt seit Juni 2026, Pilotphase bis Ende 2026 |
| Mercedes-Benz Berlin-Marienfelde | Apptronik Apollo | Komponenten zur Linie bringen, erste Qualitätsprüfungen | Pilotbetrieb seit 2025 |
| GXO Logistics bei Atlanta | Agility Digit | Lagertätigkeiten, erster kommerzieller Mietvertrag überhaupt | belegt seit Juni 2024, keine Leistungsdaten veröffentlicht |
| BYD, Geely, Foxconn, SF Express u. a. | UBTECH Walker S2 | Automobilfertigung, Intralogistik, Datenerhebung | mehrere hundert ausgeliefert |
| Schaeffler, Herzogenaurach und Schweinfurt | Humanoid / SKL Robotics | Kistenhandling in der laufenden Produktion, Integrationstests | vierstellige Stückzahl bis 2032 vereinbart, Rollout ab Dezember 2026 |
Zwei Beobachtungen dazu. Erstens: Fast alles, was belegt ist, sind Handhabungsaufgaben. Etwas greifen, etwas tragen, etwas ablegen, etwas anschauen. Die Leipziger Batteriemontage ist die erste Ausnahme, und auch dort geht es um klar umrissene, wiederkehrende Schritte, nicht um eigenständige Entscheidungen. Zweitens: Für den deutschen Standort ist der Nachweis 2026 erstmals erbracht. Seit Juni 2026 arbeiten im BMW-Werk Leipzig Hexagon AEON in der Hochvoltbatterie-Montage und der Komponentenfertigung, die Pilotphase soll bis Ende 2026 laufen. Dazu kommt der Mercedes-Pilot in Berlin-Marienfelde. Beides bleibt Pilotcharakter, ist aber kein Zukunftsversprechen mehr.
Nicht nachweisen ließ sich außerdem etwas, das in Zukunftsartikeln regelmäßig auftaucht: humanoide Roboter, die im Einzelhandel Regale auffüllen. Dafür gibt es 2026 keinen belegten Serieneinsatz.
Die Größenordnung, die alles relativiert
2025 wurden weltweit über 13.000 humanoide Roboter ausgeliefert, rund 85 Prozent davon aus China. AGIBOT und Unitree lieferten jeweils über 5.000 Einheiten, Figure und Tesla jeweils wenige hundert oder weniger. Für das erste Halbjahr 2026 werden bereits 19.100 Einheiten gemeldet, davon 97 Prozent aus China.
Diese Zahl braucht sofort eine Einordnung, und sie stammt nicht von Skeptikern, sondern aus der Branchenanalyse. Mehrere Analysten halten einen großen Teil dieser Geräte für vorführend statt funktional. Ein erheblicher Anteil der chinesischen Aufträge über mehr als zwei Milliarden Yuan kam 2025 von Staatsunternehmen, für Kraftwerke, Rechenzentren und Unterhaltungszwecke. Ausgeliefert ist nicht dasselbe wie produktiv im Einsatz.
Eine offizielle Zahl produktiv arbeitender Humanoider existiert nicht. Weder die International Federation of Robotics noch ein Statistikamt führt sie als eigene Kategorie. Das ist für sich genommen ein Befund: Eine Technologie, über deren Arbeitsmarktwirkung täglich geschrieben wird, ist statistisch nicht erfasst.
Der Maßstab dagegen ist bekannt. Der weltweite Bestand klassischer Industrieroboter lag 2024 bei 4.664.000 Einheiten, allein 2024 kamen 542.076 Installationen hinzu. Die 2025 ausgelieferten Humanoiden entsprechen davon rund drei Promille.
Was die deutschen Daten wirklich sagen
Wer über Substituierbarkeit spricht, zitiert in Deutschland das IAB. Die Zahlen aus dem IAB-Kurzbericht 05/2024, Datenstand 2022, sind aber fast immer falsch wiedergegeben.
| Berufssegment | Substituierbarkeitspotenzial |
|---|---|
| Fertigungsberufe | 87,9 % |
| Fertigungstechnische Berufe | 74,8 % |
| Unternehmensführung und -organisation | 68,0 % |
| Verkehrs- und Logistikberufe | 61,2 % |
| IT- und naturwissenschaftliche Dienstleistungsberufe | 52,5 % |
| Reinigungsberufe | 45,4 % |
| Medizinische und nichtmedizinische Gesundheitsberufe | 26,5 % |
Insgesamt arbeiten 38 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in einem Beruf, in dem mindestens 70 Prozent der Tätigkeiten technisch ersetzbar wären. 2019 waren es 34 Prozent.
Zwei Punkte werden dabei regelmäßig übersehen.
Der erste ist methodisch. Substituierbarkeitspotenzial misst technische Machbarkeit auf Tätigkeitsebene. Es misst ausdrücklich nicht Wahrscheinlichkeit und nicht tatsächlichen Arbeitsplatzverlust. Wirtschaftlichkeit, Recht und Akzeptanz bleiben außen vor. Die Zahl als Job-Vernichtungsquote zu lesen, ist der häufigste Fehler in der Berichterstattung zu diesem Thema.
Der zweite ist inhaltlich und widerspricht der gängigen Erzählung. Nach Anforderungsniveau sieht die Entwicklung von 2019 auf 2022 so aus:
| Anforderungsniveau | Potenzial 2022 | Veränderung |
|---|---|---|
| Helferberufe | 57,1 % | minus 1,8 Prozentpunkte |
| Fachkraftberufe | 61,6 % | plus 3,5 |
| Spezialistenberufe | 49,7 % | plus 5,1 |
| Expertenberufe | 35,8 % | plus 9,7 |
Der stärkste Anstieg trifft die Expertenberufe. Beim ausgewiesenen Rückgang der Helferberufe ist Vorsicht geboten: Das IAB selbst ordnet ihn der Neufassung der Berufsklassifikation zu und spricht von einem faktisch gleichbleibenden Potenzial. Belastbar ist deshalb nur der erste Befund, und der genügt: Die Digitalisierung frisst sich nicht von unten nach oben durch die Qualifikationspyramide. Für humanoide Roboter ist das nur teilweise relevant, denn sie greifen genau dort an, wo der Wert am höchsten bleibt: bei körperlicher Handhabung. Aber es korrigiert das Bild, mit dem die Debatte meist geführt wird.
Deutschland hat den Praxistest schon hinter sich
Die interessanteste Antwort auf die Frage, was Automatisierung mit Arbeitsplätzen macht, ist keine Prognose. Sie ist ein Rückblick.
Dauth, Findeisen, Südekum und Woessner haben im Journal of the European Economic Association deutsche Arbeitsmarktdaten der Jahre 1994 bis 2014 auf Individualebene ausgewertet. In diesem Zeitraum stieg der Roboterbestand in Nordamerika, Europa und Asien nach IFR-Zahlen um das Fünffache, und Deutschland war und blieb eines der am stärksten automatisierten Länder. Das Ergebnis:
- Ein zusätzlicher Roboter je 1.000 Beschäftigte verdrängte rund 1,7 Arbeitsplätze im Verarbeitenden Gewerbe
- Auf die Gesamtbeschäftigung hatte das keinen negativen Effekt, die Verluste wurden vollständig durch neue Stellen im Dienstleistungssektor ausgeglichen
- Die Durchschnittsverdienste waren kaum betroffen
- Die Anpassungslast trugen überwiegend Berufseinsteiger, Bestandsbeschäftigte blieben wegen hoher Betriebsbindung stabil
Der letzte Punkt ist der politisch wichtigste und wird am seltensten genannt. Wer schon im Betrieb war, blieb. Wer neu in den Arbeitsmarkt kam, fand seltener einen Industriejob und wich in Richtung Hochschule aus. Automatisierung verschob nicht Arbeit gegen Arbeitslosigkeit, sondern Generation gegen Generation.
Dazu passt der aktuelle Bestand. Deutschland hat mit 449 Robotern je 10.000 Beschäftigte im Verarbeitenden Gewerbe die dritthöchste Roboterdichte der Welt.
| Land | Roboterdichte 2024 |
|---|---|
| Südkorea | 1.220 |
| Singapur | 818 |
| Deutschland | 449 |
| Japan | 446 |
| USA | 307 |
| China | 166 |
| Weltdurchschnitt | 132 |
China, das gern als Automatisierungsvorbild genannt wird, liegt bei der Dichte auf Rang 22. Bei den absoluten Installationen dagegen entfielen 2024 rund 54 Prozent aller weltweiten Neuinstallationen auf China.
Was eine Roboterstunde kostet, und warum das niemand sagt
Die Rechnung, auf die jede Diskussion hinausläuft, ist am schlechtesten belegt. Goldman Sachs bezifferte die Herstellkosten eines Humanoiden Anfang 2024 auf 30.000 bis 150.000 US-Dollar, gesunken von zuvor 50.000 bis 250.000, ein Rückgang um rund 40 Prozent gegenüber der Schätzung des Vorjahres. Was ein Betrieb pro Stunde zahlt, ist dagegen unbekannt. Agility Robotics hat für den GXO-Vertrag keine Mietpreise offengelegt, Figure nennt keine Stundensätze. Die häufig zitierten 10 oder 30 US-Dollar je Stunde stammen aus Investorenblogs und Herstellermarketing, nicht aus geprüften Vertragsdaten.
Eine ehrliche Überschlagsrechnung sieht so aus: 100.000 US-Dollar Anschaffung, vier Jahre Abschreibung, 2.000 Betriebsstunden im Jahr ergeben rund 12,50 US-Dollar je Stunde reine Hardwareabschreibung. Nicht enthalten sind Wartung, Ersatzakkus, Teleoperation, Integration, Sicherheitsabnahme, Fläche und Ausfallzeiten. Dem gegenüber stehen deutsche Arbeitskosten von 45,00 Euro je Arbeitsstunde im Durchschnitt für das Jahr 2025, und das sind Arbeitgebervollkosten inklusive Lohnnebenkosten, nicht der Nettolohn.
Der Abstand sieht auf den ersten Blick eindeutig aus. Er schrumpft, sobald man die fehlenden Posten einsetzt, und er sagt ohnehin nichts über die entscheidende Größe: wie viel Arbeit das Gerät in dieser Stunde tatsächlich schafft.
Der Fachkräftemangel ist strukturell, nicht momentan
Das gängige Argument lautet: Humanoide kommen, weil Menschen fehlen. Das stimmt langfristig und ist kurzfristig gerade unter Druck. Diese Unterscheidung sauber zu ziehen, ist wichtiger als jede Prognose.
Die konjunkturelle Lage im Spätsommer 2026 ist schwach. Die gesamtwirtschaftlich offenen Stellen sind im zweiten Quartal 2026 auf rund eine Million gefallen, ein Rückgang um knapp 130.000 gegenüber dem Vorquartal. Das IAB weist darauf hin, dass die Arbeitskräftenachfrage seit 2016 mit Ausnahme der Corona-Lockdowns nicht mehr so niedrig war. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag im Juni 2026, dem aktuellsten hochgerechneten Wert, bei 34,81 Millionen und damit 73.000 unter dem Vorjahr. Die Arbeitslosenquote betrug im August 2026 6,5 Prozent.
Strukturell sieht es anders aus. Rund 392.772 Stellen für qualifizierte Fachkräfte konnten im Zeitraum Juli 2024 bis Juni 2025 rechnerisch nicht besetzt werden, davon 71,7 Prozent in kleinen und mittleren Unternehmen. Und die belastbarste Zahl des ganzen Themenfelds kommt vom Statistischen Bundesamt: 13,3 Millionen Erwerbspersonen erreichen bis 2040 die Regelaltersgrenze von 67 Jahren, das sind 30,0 Prozent aller Erwerbspersonen. Die jüngeren Jahrgänge können die Babyboomer zahlenmäßig nicht ersetzen.
In der Pflege rechnet Destatis je nach Variante mit einer Lücke von 90.000 bis 350.000 Kräften bis 2034 und von 280.000 bis 690.000 bis 2049. Ob humanoide Roboter dort helfen können, ist eine eigene Frage, und die Antwort fällt nach dem heutigen Stand der Technik zurückhaltend aus.
Wer entscheidet, ob der Roboter kommt
Ein Punkt, den Anbieter in Verkaufsgesprächen gern überspringen: In Deutschland führt kein Weg am Betriebsrat vorbei.
Nach § 87 Absatz 1 Nummer 6 BetrVG hat der Betriebsrat ein erzwingbares Mitbestimmungsrecht bei der Einführung technischer Einrichtungen, die dazu bestimmt sind, Verhalten oder Leistung der Beschäftigten zu überwachen. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts genügt die objektive Eignung zur Überwachung, eine Überwachungsabsicht ist nicht erforderlich. Ein humanoider Roboter mit Kameras, Mikrofonen und Datenaufzeichnung erfüllt dieses Kriterium regelmäßig. Ohne Zustimmung oder Spruch der Einigungsstelle ist die Einführung unzulässig.
Dazu kommen § 87 Absatz 1 Nummer 7 für Arbeits- und Gesundheitsschutz, § 90 für Unterrichtung und Beratung bei der Planung von Arbeitsverfahren und Arbeitsplätzen und, bei grundlegender Änderung der Arbeitsmethoden, § 111 mit Interessenausgleich und Sozialplan.
Die IG Metall NRW hat ihre Linie am 16. Juni 2026 auf einer Betriebsrätekonferenz zur Künstlichen Intelligenz in Bielefeld formuliert. Sie zielt auf KI-Systeme allgemein, ist auf Robotik aber übertragbar: Einbindung von Anfang an, Transparenz über Einsatzbereiche und Funktionsweise, verbindliche Betriebsvereinbarungen zu Datenschutz und Überwachungsprävention, Qualifizierung. Bezirksleiter Knut Giesler brachte es auf zwei Sätze: Die Lösung liege weder in Alarmismus noch im Abwarten, sondern in aktiver Gestaltung. Und: KI dürfe kein Sparprogramm sein, sondern müsse ein Zukunftsprogramm sein. Bemerkenswert ist die Sachaussage dahinter, denn sie deckt sich mit der Forschung: Die Gewerkschaft geht davon aus, dass primär Tätigkeiten verändert werden, nicht Arbeitsplätze eliminiert.
Wer im Betrieb einen Humanoiden einsetzt, sollte parallel die Haftungsfrage klären. Was passiert, wenn das Gerät einen Kollegen verletzt oder eine Anlage beschädigt, steht in unserem Beitrag zur Haftung bei humanoiden Robotern.
Welche Jobs entstehen
Diese Frage wird meistens mit Vermutungen beantwortet. Es geht auch mit Belegen: Man muss nur das Stellenboard eines Herstellers öffnen. Figure AI schreibt aktuell über hundert Stellen aus, darunter Humanoid Robot Operator für Standorte in Reno, Fontana und Los Angeles, Humanoid Robot Pilot in San Jose, Deployment Engineer, Logistics and Dispatch Manager, Helix Data Creator und Field Service Technician. Eine der Operator-Stellen ist ausdrücklich beim Kunden vor Ort angesiedelt.
Die Berufsbilder Roboterbetreuer, Teleoperator und Flottenmanager existieren also nachweislich. Zwei Einschränkungen gehören dazu: Ausgeschrieben werden sie bislang überwiegend vom Hersteller, nicht vom einsetzenden Betrieb, und nicht in Deutschland.
Qualifizierungsangebote gibt es hierzulande, sie zielen aber auf klassische Industrierobotik, etwa die IHK-Fachkraft für Robotik und Automatisierungstechnik oder die Fachkraft Robotertechnik 4.0 beim TÜV Rheinland. Ein anerkannter Ausbildungs- oder Fortbildungsabschluss speziell für humanoide Robotik existiert 2026 nicht.
Was die Prognosen sagen, und was sie wert sind
Goldman Sachs erwartete in seiner Prognose vom Februar 2024 bis 2035 einen Markt von 38 Milliarden US-Dollar und 1,4 Millionen Einheiten, über 250.000 davon bereits 2030, überwiegend industriell. Zur Arbeitsmarktwirkung nennt die Bank eine Substitution von 5 bis 15 Prozent in der Automobilfertigung und bei gefährlichen Tätigkeiten. Morgan Stanley rechnete im Mai 2025 bis 2050 mit knapp einer Milliarde Einheiten weltweit und fünf Billionen US-Dollar Marktvolumen, betont aber, dass die Verbreitung bis Mitte der 2030er langsam bleibe.
Die meistzitierte Zahl der Debatte gehört streng genommen gar nicht hierher. Interne Amazon-Dokumente, über die die New York Times berichtete, nennen das Ziel, durch Robotik über 160.000 US-Einstellungen bis 2027 und bis zu 600.000 bis 2033 zu vermeiden. Das sind vermiedene Neueinstellungen, keine Entlassungen, es geht um klassische Lagerrobotik und nicht um Humanoide, und Amazon widerspricht der Darstellung. Wer die Zahl als Beleg für humanoide Roboter anführt, führt sie falsch.
Fazit
Die ehrliche Antwort auf die Titelfrage lautet: sehr wenige, und sehr genau umrissen. Blechteile einlegen, Hochvoltbatterien montieren, Komponenten transportieren, sichtprüfen, Lagerarbeit. Das ist der belegte Stand im September 2026, und er beruht auf einer Handvoll Geräte an einer Handvoll Standorten.
Die Größenordnung ist so klein, dass jede Rede von Massenverdrängung derzeit ohne Zahlen auskommen muss. Gleichzeitig zeigt der deutsche Rückblick über zwanzig Jahre Automatisierung, dass die richtige Sorge eine andere ist als die vermutete: nicht die Gesamtbeschäftigung, sondern die Frage, wer die Anpassung trägt. Bisher waren es die Berufseinsteiger.
Für Betriebe, die konkret planen, sind die nächsten Schritte unspektakulär: die Tätigkeit sauber abgrenzen, den Betriebsrat früh einbinden, die Verfügbarkeit realistisch rechnen, wie im Beitrag zur Akkulaufzeit gezeigt, und sich die Anbieter im Detail ansehen. Eine Übersicht dazu gibt unsere Seite zu den Herstellern humanoider Roboter.
Häufige Fragen
Wie viele humanoide Roboter arbeiten 2026 tatsächlich in Betrieben?+
Eine offizielle Erhebung gibt es nicht, weder die IFR noch ein Statistikamt führen Humanoide als eigene Kategorie. Belegt sind über 13.000 weltweite Auslieferungen im Jahr 2025, davon rund 85 Prozent aus China, und 19.100 allein im ersten Halbjahr 2026. Branchenanalysten halten einen großen Teil davon für vorführend statt produktiv. Die Zahl der Geräte, die wirklich industrielle Arbeit verrichten, liegt plausibel im niedrigen vierstelligen Bereich. Zum Vergleich: Der weltweite Bestand klassischer Industrieroboter lag 2024 bei 4.664.000.
Welche Tätigkeiten übernehmen humanoide Roboter konkret?+
Belegt sind das Entnehmen und Positionieren von Blechteilen für den Schweißprozess bei BMW in Spartanburg, die Hochvoltbatterie-Montage und Komponentenfertigung im BMW-Werk Leipzig seit Juni 2026, der Transport von Komponenten und erste Sichtprüfungen bei Mercedes-Benz in Berlin-Marienfelde sowie Lagertätigkeiten bei GXO Logistics. In China hat UBTECH mehrere hundert Walker S2 ausgeliefert, verteilt auf Automobilfertigung, Intralogistik und Rechenzentren. Nicht belegt sind Regalauffüllen im Einzelhandel und serienmäßige Maschinenbestückung in Deutschland.
Welche Berufe sind laut IAB am stärksten von Automatisierung betroffen?+
Nach dem IAB-Kurzbericht 05/2024 liegt das Substituierbarkeitspotenzial bei Fertigungsberufen mit 87,9 Prozent am höchsten, gefolgt von fertigungstechnischen Berufen mit 74,8 und Verkehrs- und Logistikberufen mit 61,2 Prozent. Wichtig: Das misst technische Machbarkeit auf Tätigkeitsebene, nicht Arbeitsplatzverlust. Der stärkste Anstieg gegenüber 2019 entfiel auf Expertenberufe mit plus 9,7 Prozentpunkten.
Hat Automatisierung in Deutschland Arbeitsplätze vernichtet?+
In der Summe nicht. Die Studie von Dauth, Findeisen, Südekum und Woessner im Journal of the European Economic Association untersuchte die Jahre 1994 bis 2014. Ein zusätzlicher Roboter je 1.000 Beschäftigte verdrängte rund 1,7 Arbeitsplätze im Verarbeitenden Gewerbe, doch die Gesamtbeschäftigung blieb stabil, weil im Dienstleistungssektor gleich viele Stellen entstanden. Die Anpassungslast trugen überwiegend Berufseinsteiger, nicht Bestandsbeschäftigte.
Welche neuen Berufe entstehen durch humanoide Roboter?+
Belegbar sind sie bereits als Stellenausschreibungen: Figure AI sucht Humanoid Robot Operator, Humanoid Robot Pilot, Deployment Engineer und Field Service Technician, teils direkt beim Kunden vor Ort. Bislang schreibt allerdings überwiegend der Hersteller aus, nicht der einsetzende Betrieb, und nicht in Deutschland. Einen anerkannten deutschen Ausbildungs- oder Fortbildungsabschluss speziell für humanoide Robotik gibt es 2026 noch nicht.
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