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Hexagon Robotics Schweden Im Pilotbetrieb bei Industriekunden

Hexagon AEON - der Humanoide im BMW-Werk Leipzig

Der AEON ist der Industrie-Humanoide von Hexagon, einem schwedischen Konzern für Mess- und Sensortechnik mit rund 3,7 Milliarden Euro Umsatz. Statt Füßen trägt er an jedem Bein ein Rad, statt reiner Handhabung bringt er industrielle Messtechnik mit. Der bekannteste Einsatz läuft seit dem 12. Juni 2026 im BMW-Werk Leipzig, dazu hat Schaeffler mindestens tausend Geräte bis 2032 zugesagt.

Symbolische Darstellung eines Industrie-Humanoiden mit Rädern statt Füßen, der eine Karosserie mit einem Handscanner vermisst

Bild: KI-Illustration (Higgsfield), erstellt für humanoid-portal.de · KI-generiert, keine reale Fotografie und keine Abbildung des tatsächlichen Modells

Ein Messtechnikkonzern baut einen Roboter

Hexagon AB aus Stockholm ist in der Industrie ein bekannter Name, aber nicht für Roboter. Der Konzern verdient sein Geld mit Mess- und Sensortechnik, Koordinatenmessmaschinen, Laserscannern und der Software drumherum. Nach der Abspaltung des Softwaregeschäfts unter dem Namen Octave Intelligence im Mai 2026 beschäftigt Hexagon noch rund 17.000 Menschen in 50 Ländern und setzt etwa 3,7 Milliarden Euro um.

Am 31. März 2025 gründete das Unternehmen eine eigene Robotics-Division unter Leitung von Arnaud Robert. Die Begründung war der Fachkräftemangel, der Ansatz die Verbindung von Messtechnik, räumlicher Intelligenz und digitalen Zwillingen mit Simulation und maschinellem Lernen. Keine drei Monate später, am 17. Juni 2025, stand AEON auf der Bühne der HxGN LIVE Global in Las Vegas.

Diese Herkunft erklärt, warum AEON anders aussieht und anders eingesetzt wird als die Humanoiden aus dem Silicon Valley.

Die Bauform: ein Kompromiss mit Absicht

Der auffälligste Unterschied steckt unten. AEON hat an jedem Bein ein angetriebenes Rad statt eines Fußes. Auf ebenem Hallenboden rollt er damit mit bis zu 2,4 Metern pro Sekunde, schneller als die meisten Zweibeiner gehen, und verbraucht dabei erheblich weniger Energie, weil keine Masse periodisch angehoben und abgebremst werden muss. Die Beingelenke bleiben trotzdem erhalten, sodass er Hindernisse übersteigen kann.

Genau diese Bauform hält der Marktforscher Gartner für die wirtschaftlichere. In einer Analyse vom Januar 2026 prognostiziert Gartner, dass bis 2028 weniger als zwanzig Unternehmen humanoide Roboter für Fertigung und Lieferkette produktiv im Maßstab einsetzen werden, obwohl es knapp zweihundert Anbieter gibt, und empfiehlt stattdessen radgestützte mobile Manipulatoren. AEON liegt konzeptionell näher an dieser Empfehlung als klassische Zweibeiner.

Mit 165 Zentimetern und 60 Kilogramm ist der Roboter eher kompakt, die Zahl der Freiheitsgrade hat Hexagon nicht offiziell veröffentlicht. Die Traglast von 15 Kilogramm kurzzeitig und acht Kilogramm dauerhaft liegt im Mittelfeld. Die Akkus tauscht er selbstständig, die Laufzeit gibt Hexagon mit bis zu vier Stunden an.

Was AEON kann, das andere nicht können

Das eigentliche Verkaufsargument ist die Messtechnik an Bord. Der Roboter soll nicht nur Teile greifen und ablegen, sondern sie im selben Arbeitsgang prüfen, Flächen erfassen und Daten für digitale Zwillinge liefern. Kommuniziert sind wechselbare Hand-, Greif- und Scanwerkzeuge, welche Messmodule konkret zum Einsatz kommen, hat Hexagon nicht veröffentlicht.

Auf dem Papier ist das ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Ein Roboter, der eine Karosserie vermisst und das Ergebnis direkt in ein Qualitätssystem schreibt, macht etwas anderes als ein Roboter, der Kisten trägt. Eine unabhängige Messung, die AEONs Genauigkeit im mobilen Betrieb quantifiziert, gibt es allerdings nicht. Bislang ist das Herstellerpositionierung plus Kundenzitate, kein veröffentlichter Benchmark.

Der Einsatz in Leipzig

Für den deutschsprachigen Markt ist AEON vor allem aus einem Grund relevant. Am 27. Februar 2026 kündigte die BMW Group an, nach eigener Darstellung erstmals einen humanoiden Roboter in der Produktion in Deutschland einzusetzen, im Werk Leipzig. Am 12. Juni 2026 meldete Hexagon aus Leipzig, dass AEON dort Produktionsaufgaben übernimmt.

Vorgesehen sind die Montage von Hochvoltbatterien und die Komponentenfertigung für Exterieurteile, umgesetzt über wechselbare Hand-, Greif- und Scanelemente. BMW richtete dafür ein Center of Competence for Physical AI in Production ein. Werkleiterin Petra Peterhänsel sagte zu, dass der Einsatz keine Arbeitsplätze koste, Beschäftigte wechselten in andere Fertigungstätigkeiten. Michael Ströbel, bei BMW zuständig für Prozessmanagement und Digitalisierung, beschrieb den eigentlichen Hebel so: Was einem Roboter beigebracht wurde, können alle Roboter.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Die Hochvoltbatterie-Montage war im Juni 2026 noch in der abgeschotteten Innovation Garage und soll erst in späteren Pilotphasen in die Fabrikumgebung wandern. Und die Zahl der Geräte hat niemand offiziell veröffentlicht, Fachmeldungen sprechen von einem, teils von zwei AEON. Anders als beim Figure-Einsatz im US-Werk Spartanburg, für den BMW Betriebsstunden, bewegte Bauteile und Schritte nannte, gibt es aus Leipzig bislang keine Leistungszahlen.

Bemerkenswert ist, dass BMW zweigleisig fährt: Figure 03 in Spartanburg, AEON in Leipzig. Was humanoide Roboter in Betrieben derzeit überhaupt leisten, ordnen wir im Beitrag zum Arbeitsmarkt ein.

Schaeffler und das Trainingsgelände

Der zweite große Kunde sitzt ebenfalls in Deutschland. Am 22. April 2026 vereinbarte Schaeffler den Einsatz von mindestens tausend AEON im weltweiten Werksnetz bis 2032, die bislang größte öffentlich zugesagte Humanoid-Bestellung in Europa. Der Zulieferer ist dabei nicht nur Kunde, sondern liefert auch hochpräzise Aktoren für die nächste Generation. Die erste Generation kam vom Schweizer Antriebshersteller maxon.

Seit August 2026 trainiert AEON in Schaefflers Humanoid Gym in Deutschland, einer Halle mit nachgebauten Fertigungsarbeitsplätzen. Das Vorgehen folgt dem Muster Trainieren, Validieren, Ausrollen. Weitere Partner sind Fill Maschinenbau in Österreich und Pilatus Aircraft in der Schweiz.

Auffällig ist, dass Schaeffler zugleich bei Neura Robotics investiert ist. Der Zulieferer legt sich also bewusst nicht auf einen Anbieter fest.

Einordnung

AEON ist der europäischste der ernstzunehmenden Industrie-Humanoiden: schwedischer Konzern, Pilotkunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Fertigungsnähe zur europäischen Industrie. Gegenüber Figure und Apptronik unterscheidet er sich in der Bauform, in der Messtechnik und in der Finanzierung, denn er wird aus dem Konzern bezahlt und nicht aus Wagniskapitalrunden.

Was fehlt, sind Zahlen. Kein Preis, keine Stückzahlen, keine Schutzart, keine Sicherheitszertifizierung, keine Angabe zur Akkukapazität und keine Leistungskennzahlen aus dem Praxisbetrieb. Für ein Gerät, das in einem deutschen Werk neben Menschen arbeitet, ist besonders die Frage nach Normkonformität und Autonomiegrad offen. Wie sich AEON gegen die übrigen Modelle stellt, zeigt unsere Vergleichstabelle.

Fähigkeiten & Anwendungsbereiche

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Erster Humanoide in einer deutschen Produktion

Am 27. Februar 2026 kündigte BMW den Einsatz an, seit dem 12. Juni 2026 übernimmt AEON im Werk Leipzig Produktionsaufgaben. Nach BMW-Darstellung ist es der erste Einsatz eines humanoiden Roboters in der Produktion in Deutschland. Mercedes-Benz testet Apptronik Apollo allerdings schon seit 2025 in Berlin-Marienfelde, der Anspruch hängt also an der Abgrenzung zwischen Test und Produktion. Vorgesehen sind Hochvoltbatterie-Montage und Komponentenfertigung, die Pilotphase soll bis Ende 2026 laufen.

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Messtechnik statt nur Handhabung

Unter den bekannten Industrie-Humanoiden ist AEON der einzige, der aus einem Messtechnikkonzern kommt, ein Alleinstellungsmerkmal, das Hexagon selbst so vermarktet. Der Konzern integriert die eigene Präzisionsmesstechnik direkt in den Roboter, welche Module konkret montiert werden, ist nicht veröffentlicht. Die genannten Anwendungsfälle sind Bauteilinspektion, Reality Capture und das Erzeugen digitaler Zwillinge.

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Räder statt Füße

An jedem Bein sitzt ein angetriebenes Rad. Auf ebenem Hallenboden rollt AEON damit schneller und energieeffizienter, als ein Zweibeiner gehen könnte, kann aber über Hindernisse steigen. Das ist ein bewusster Kompromiss zwischen der Effizienz mobiler Roboter und der Zugänglichkeit menschlicher Arbeitsplätze.

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Automatischer Akkuwechsel

Der Roboter tauscht seine Akkus selbstständig und kommt damit auf Dauerbetrieb, ohne dass jemand eingreifen muss. Die Laufzeit je Ladung gibt Hexagon mit bis zu vier Stunden an, die Kapazität nicht. Damit gehört AEON neben dem UBTECH Walker S2 zu den wenigen Modellen mit dokumentiertem eigenständigem Wechsel, Boston Dynamics hat den Vorgang für Atlas bislang vor allem demonstriert.

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Tausend Geräte bei Schaeffler zugesagt

Am 22. April 2026 vereinbarten Hexagon und Schaeffler den Einsatz von mindestens tausend AEON im weltweiten Werksnetz des Zulieferers bis 2032. Schaeffler liefert zugleich hochpräzise Aktoren für die nächste Robotergeneration. Seit August 2026 trainiert AEON in Schaefflers Humanoid Gym in Deutschland an nachgebauten Fertigungsarbeitsplätzen.

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Trainiert in der Simulation

Der Softwarestapel stammt von NVIDIA: Isaac Sim und Isaac Lab für Simulation und bestärkendes Lernen, dazu Cosmos für Weltmodelle. Das Grundmodell Isaac GR00T evaluiert Hexagon nach eigenen Angaben. Kernfähigkeiten der Fortbewegung will der Konzern so in zwei bis drei Wochen trainieren statt in fünf bis sechs Monaten in der realen Welt. Microsoft ist seit dem Start Technologiepartner, am 7. Januar 2026 vertieften beide die Zusammenarbeit zu einer strategischen Azure-Partnerschaft.

Häufig gestellte Fragen

Arbeitet der AEON wirklich schon bei BMW?+

Ja. Hexagon meldete am 12. Juni 2026 aus Leipzig, dass AEON Produktionsaufgaben im BMW-Werk übernimmt. Vorher lief die Erprobung in einer abgeschotteten Innovation Garage. Eine Einschränkung gehört dazu: Die Hochvoltbatterie-Montage war zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der realen Fabrikumgebung, sie soll erst in späteren Pilotphasen dorthin wandern. Wie viele Geräte in Leipzig stehen, haben weder BMW noch Hexagon veröffentlicht.

Warum hat AEON Räder statt Füße?+

Weil zweibeiniges Gehen viel Energie kostet und auf ebenen Hallenböden keinen Vorteil bringt. An jedem Bein sitzt ein angetriebenes Rad, mit dem der Roboter bis zu 2,4 Meter pro Sekunde rollt, gleichzeitig behält er die Beingelenke, um Hindernisse zu übersteigen. Der Marktforscher Gartner hält radgestützte mobile Manipulatoren gegenüber klassischen Zweibeinern generell für die wirtschaftlichere Bauform.

Was kostet ein Hexagon AEON?+

Kein Preis veröffentlicht, kein Leasing- oder Mietmodell veröffentlicht. Der Vertrieb läuft bislang erkennbar über bilaterale Partnerschaften mit BMW, Schaeffler, Fill Maschinenbau und Pilatus Aircraft, nicht über einen offenen Marktstart mit Bestellmöglichkeit. Auch die Zahl der bislang gebauten Geräte ist nicht veröffentlicht.

Was unterscheidet AEON von Figure oder Apptronik Apollo?+

Drei Punkte. Erstens die Herkunft: Hexagon ist ein Messtechnikkonzern und bringt Prüf- und Scanfähigkeiten mit, die andere Humanoide nicht haben. Zweitens die Bauform mit Rädern statt Füßen. Drittens die Finanzierung: AEON wird aus einem Konzern mit rund 3,7 Milliarden Euro Umsatz bezahlt, nicht aus Wagniskapitalrunden. Dafür fehlen bei AEON die belegten Leistungskennzahlen, die BMW für den Figure-Einsatz in Spartanburg genannt hat.

Ist Hexagon Robotics eine eigene Firma?+

Nein, es ist ein Geschäftsbereich von Hexagon AB, gegründet als eigene Division am 31. März 2025 unter Leitung von Arnaud Robert. Nicht verwechseln sollte man das mit Octave Intelligence: Das ist die Software-Abspaltung, die im Mai 2026 an die Börse ging. Das Robotikgeschäft und damit AEON bleiben bei Hexagon AB.

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