Zum Inhalt springen
Humanoid-Portal
AgiBot China In Produktion, in China erhältlich

AgiBot A2 - der Humanoide des weltweiten Marktführers

Der A2, in China unter dem Namen Yuanzheng A2 geführt, ist der menschengroße Universalroboter von AgiBot. Das 2023 gegründete Shanghaier Unternehmen führt seit dem ersten Halbjahr 2026 die weltweite Auslieferungsstatistik für humanoide Roboter an. Den A2 gibt es in mehreren Ausbaustufen: als voll ausgestatteten A2 Ultra, als abgespeckten A2 Lite, als radgetriebene Industrievariante A2-W und als schwerlastfähigen A2 Max.

Symbolische Darstellung eines menschengroßen zweibeinigen Humanoiden in einer Elektronikfertigung, im Hintergrund zwei Beschäftigte an Prüfplätzen

Bild: KI-Illustration (Higgsfield), erstellt für humanoid-portal.de · KI-generiert, keine reale Fotografie und keine Abbildung des tatsächlichen Modells

Vom Start-up zum Marktführer in drei Jahren

AgiBot, in China unter dem Namen Zhiyuan Robotics geführt, wurde erst im Februar 2023 in Shanghai gegründet. Hinter dem Unternehmen stehen zwei bekannte Namen: Deng Taihua, langjähriger Huawei-Manager und heute Vorstandsvorsitzender, sowie Peng Zhihui, der in China als Technik-Influencer unter dem Namen Zhihui Jun bekannt wurde und Huawei Ende 2022 verließ, um Technikchef von AgiBot zu werden.

Das Wachstum seither ist ungewöhnlich, selbst für chinesische Verhältnisse. Der Jahresumsatz stieg von 300.000 Yuan im ersten Jahr auf über eine Milliarde Yuan im Jahr 2025. Der tausendste Roboter verließ nach etwa zwei Jahren das Werk, der fünftausendste im Dezember 2025, der zehntausendste schon im März 2026 und der fünfzehntausendste im Juni 2026. Zu den Geldgebern zählen unter anderem Tencent, BYD, JD.com und SAIC. Seit Ende Juli 2026 bereitet das Unternehmen einen Börsengang in Hongkong vor.

Was den A2 ausmacht

Der A2 ist kein Spezialgerät, sondern der Allzweckroboter des Portfolios. In der Vollausstattung als A2 Ultra misst er 169 Zentimeter, wiegt rund 69 Kilogramm und bringt 40 Freiheitsgrade mit, verteilt auf Hals, Arme, Beine und Hände. Er geht mit bis zu 1,2 Metern pro Sekunde, bewältigt Steigungen bis zehn Grad und dreht auf 60 Zentimetern Breite.

Die Wahrnehmung ist für ein Gerät dieser Preisklasse aufwendig: ein 360-Grad-3D-LiDAR, eine Tiefenkamera im Kopf, eine Fischaugenkamera an der Brust, eine weitere Tiefenkamera an der Hüfte, Sensoren in den Fußsohlen und ein Mikrofon-Array, das Schallquellen orten kann. Gerechnet wird auf einem 16-Kern-Prozessor und einem NVIDIA Jetson Orin mit 64 Gigabyte. Für die Sicherheit gibt AgiBot eine dreistufige Überwachung und Performance Level d an.

Beim Antrieb setzt das Unternehmen auf eigene Gelenkmotoren mit bis zu 430 Newtonmetern Spitzendrehmoment, am Knie sind es 270. Die Traglast fällt dagegen bescheiden aus: rund zwei Kilogramm je Arm. Wer mehr braucht, greift zum A2-W, der auf vier Rädern statt auf Beinen steht, 230 Kilogramm wiegt und fünf Kilogramm je Arm trägt, dafür aber auf ebene Böden angewiesen ist.

Der Marsch, der für die Marke steht

Im November 2025 ließ AgiBot einen A2 von Suzhou nach Shanghai laufen, 106,286 Kilometer über Provinzgrenzen hinweg, durch Menschenmengen und über wechselnde Untergründe, in 56 Stunden und 7 Minuten. Guinness World Records bestätigte den Rekord am 20. November 2025 als längsten Fußmarsch eines humanoiden Roboters.

Interessant ist der Rekord weniger wegen der Distanz als wegen der Rechnung dahinter. Ein A2 Ultra geht mit einer Akkuladung rund anderthalb Stunden. Die Strecke war also nur zu schaffen, weil sich die Akkus wechseln lassen, fünfzehnmal war das nötig. Genau darin liegt die Wette, die AgiBot mit dem gesamten Portfolio eingeht: Nicht die Laufzeit soll den Dauerbetrieb ermöglichen, sondern der schnelle Tausch. Beim Nachfolger A3 nennt das Unternehmen dafür zehn Sekunden.

Software, Daten und ein Vorbehalt

AgiBot entwickelt nicht nur Hardware. Mit GO-1, dem Genie Operator, veröffentlichte das Unternehmen im März 2025 ein eigenes Grundmodell für verkörperte Intelligenz, dem inzwischen GO-2 und weitere Ausbaustufen gefolgt sind. Noch bemerkenswerter ist der Datensatz AgiBot World: über eine Million aufgezeichnete Trajektorien aus knapp 3.000 Stunden, erhoben mit 100 Robotern in mehr als 100 realen Szenarien.

Ein Vorbehalt gehört dazu. Die Lizenz dieser Veröffentlichungen schließt die kommerzielle Nutzung ausdrücklich aus. Offen sind Datensätze, Simulation und Modellgewichte für die Forschung, nicht die Steuerungssoftware der ausgelieferten Roboter.

Was man vor dem Kauf wissen sollte

Drei Punkte sollte man nüchtern betrachten.

Erstens die Zahlen. Die über 15.000 gebauten Geräte sind eine Gesamtzahl über alle Baureihen hinweg, eine Aufschlüsselung nach Typen veröffentlicht AgiBot nicht. Namentlich belegt sind im Wesentlichen der Serienlinieneinsatz beim Elektronikfertiger Longcheer und eine Bestellung über knapp 100 radgetriebene A2-W beim Kfz-Zulieferer Fulin Precision. Smart Analytics Global ordnet für das erste Halbjahr 2026 über 70 Prozent der weltweiten Auslieferungen industriellen und kommerziellen Anwendungen zu, nach rund 50 Prozent ein Jahr zuvor. Wie viele davon tatsächlich in produktiven Schichten laufen und wie viele in Vorführung, Vermietung und Forschung stecken, weist keiner der Marktforscher aus. Den größeren Zusammenhang behandeln wir im Beitrag über humanoide Roboter aus China.

Zweitens die Verfügbarkeit. Für Europa gibt es einen Vertriebsagenten, seit August 2026 sogar eine gemeinsame Fertigung in Serbien, aber weiterhin keinen Europreis und keinen Händler mit Lager. AgiBot nennt für den A2 Ultra CE-MD- und CE-RED-Zertifizierungen durch TÜV Rheinland, eine frei einsehbare Konformitätserklärung veröffentlicht das Unternehmen nicht. Wer ein Gerät in einem deutschen Betrieb einsetzen will, fordert sie an.

Drittens die Modellpflege. Seit dem 13. April 2026 gibt es den A3, den AgiBot allerdings als Bühnen- und Showroboter positioniert und nicht als Nachfolger für den kommerziellen Dauereinsatz. Wer heute plant, sollte beide Linien nebeneinanderlegen.

Einordnung

Im Vergleich mit den westlichen Wettbewerbern fällt vor allem der Preisabstand auf. Selbst der internationale Shoppreis der käuflichen A2-Variante von 44.560 US-Dollar liegt in einer Region, die Apptronik oder Figure nicht einmal nennen. Gegenüber dem ebenfalls günstigen Unitree G1 bietet der A2 volle Menschengröße statt einer kompakten Forschungsplattform, gegenüber dem EngineAI SE01 die deutlich aufwendigere Sensorik.

Die eigentliche Besonderheit ist aber nicht das einzelne Gerät, sondern die Fertigungstiefe dahinter. AgiBot baut Zweibeiner, Radroboter, Vierbeiner, Hände, Grundmodelle, Simulator und eine eigene Mietplattform. Diese Bandbreite hat sonst kein Hersteller, und sie erklärt, warum das Unternehmen in der Herstellerübersicht ganz vorn steht.

Fähigkeiten & Anwendungsbereiche

🥇

Meistausgelieferter Humanoide der Welt

Für das erste Halbjahr 2026 nennt Counterpoint Research rund 9.700 Einheiten und über 43 Prozent Weltmarktanteil, Smart Analytics Global kommt auf 8.400 Einheiten und 44 Prozent. Beide Häuser schreiben ausdrücklich, dass AgiBot Unitree erst in diesem Zeitraum überholt hat. Für 2025 ist die Spitzenposition strittig: Omdia führt AgiBot mit 5.168 Einheiten und 39 Prozent vorn, Unitree meldet für dasselbe Jahr selbst über 5.500 ausgelieferte Geräte.

🚶

106 Kilometer am Stück gelaufen

Vom 10. bis 13. November 2025 legte ein A2 die Strecke von Suzhou nach Shanghai zurück, 106,286 Kilometer in 56 Stunden und 7 Minuten, mit 15 Akkuwechseln. Guinness World Records bestätigte das am 20. November 2025 als längsten Fußmarsch eines humanoiden Roboters. Für ein Gerät mit rund anderthalb Stunden Gehzeit je Akkuladung ist das vor allem ein Beleg für das Wechselakku-Konzept.

🔋

Wechselakku statt Ladepause

Alle A2-Varianten arbeiten mit wechselbaren Akkus, ergänzt um Schnellladen. Der A2 Ultra kommt auf drei Stunden im Stehen und gut anderthalb Stunden im Gehen, die radgetriebene Variante A2-W mit ihrem 2-Kilowattstunden-Pack auf fünf Stunden. Beim Nachfolger A3 gibt AgiBot einen Akkuwechsel in zehn Sekunden an.

🛞

Vier Bauformen für vier Zwecke

Der A2 Ultra ist der voll ausgestattete Zweibeiner mit LiDAR, Tiefenkameras und 40 Freiheitsgraden. Der A2 Lite ist die abgespeckte, käufliche Variante mit 23 Freiheitsgraden. AgiBot listet für ihn weder LiDAR noch Tiefen-, RGB- oder Fischaugenkamera und sagt auch nicht, welche Kamera verbaut ist. Der A2-W fährt auf vier Rädern, wiegt 230 Kilogramm, arbeitet in Höhen von null bis zwei Metern und trägt fünf Kilogramm je Arm. Dazu kommt der schwerlastfähige A2 Max.

🧠

Eigene Grundmodelle und offene Daten

AgiBot entwickelt mit GO-1 und dessen Nachfolgern eigene Embodied-Foundation-Modelle und hat mit AgiBot World einen der größten offenen Manipulationsdatensätze veröffentlicht: über eine Million Trajektorien aus knapp 3.000 Stunden Aufzeichnung mit 100 Robotern. Die Lizenz erlaubt allerdings ausdrücklich keine kommerzielle Nutzung.

🇪🇺

Europa über einen Vertriebsagenten

Seit dem 24. Februar 2026 vertreibt die Minth Group das AgiBot-Portfolio in Europa, vorgestellt wurde die Partnerschaft in München. Minth betreibt Werke in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Tschechien, Polen und Serbien, die zugleich als Trainings- und Datenerhebungsumgebung dienen sollen. Seit dem 29. August 2026 fertigen beide im serbischen Šabac gemeinsam humanoide Roboter für den europäischen Markt, die erste Ausbaustufe ist auf über 5.000 Einheiten im Jahr ausgelegt. Auf der IFA Berlin kam Anfang September 2026 eine Vertriebsallianz mit Tekpoint dazu. Einen deutschen Händler mit Preisliste gibt es weiterhin nicht.

Häufig gestellte Fragen

Ist AgiBot wirklich der größte Hersteller humanoider Roboter?+

Für das erste Halbjahr 2026 ja: Counterpoint Research nennt rund 9.700 Einheiten und über 43 Prozent Weltmarktanteil, Smart Analytics Global 8.400 Einheiten und 44 Prozent. Beide schreiben ausdrücklich, dass AgiBot Unitree erst in diesem Zeitraum überholt hat. Für 2025 ist die Lage strittig: Omdia führt AgiBot mit 5.168 Einheiten und 39 Prozent auf Platz eins, Unitree meldet für 2025 selbst über 5.500 ausgelieferte Geräte.

Was kostet ein AgiBot A2?+

Öffentlich ist vor allem der Preis der abgespeckten Variante A2 Lite: 198.000 Yuan, umgerechnet rund 24.000 Euro, angeboten über chinesische Onlinehändler. In AgiBots internationalem Werksshop steht dasselbe Gerät mit 44.560 US-Dollar, der Aufschlag für Export, Versand und Zoll ist also erheblich. Für den A2 Ultra und den A2-W nennt der Shop keinen echten Preis, der Vertrieb läuft über Anfrage. Einen Preis in Euro gibt es für kein Modell.

Kann man den A2 in Deutschland kaufen?+

Nicht direkt. AgiBot hat mit der Minth Group seit Februar 2026 einen Vertriebsagenten für Europa und fertigt seit August 2026 gemeinsam mit Minth in Serbien, es gibt aber keine deutsche Preisliste und keinen belegten Händler mit Lager. Der chinesische Onlineverkauf richtet sich an den heimischen Markt. Zur Zulassung nennt AgiBot für den A2 Ultra vier Zertifizierungen: CR für China, CE-MD und CE-RED für die EU sowie FCC für die USA, geprüft von TÜV Rheinland. Eine frei herunterladbare EU-Konformitätserklärung veröffentlicht der Hersteller nicht, sie gehört also in jede Anfrage.

Ist der A2 noch das aktuelle Modell?+

Teilweise. Seit dem 13. April 2026 gibt es den A3, seit Juli 2026 den A3 Ultra mit 51 Freiheitsgraden. Ein direkter Nachfolger ist der A3 aber nicht: AgiBot positioniert ihn als Bühnen- und Showroboter. Er misst 173 Zentimeter, wiegt 55 Kilogramm, fährt ein doppeltes Akkupack mit 1.152 Wattstunden, soll bis zu zehn Stunden durchhalten und wechselt den Akku in zehn Sekunden. Für den kommerziellen Dauereinsatz bewirbt AgiBot weiterhin den A2 Ultra, der auch die mit Abstand größte Auslieferungsbasis hat.

Arbeiten AgiBot-Roboter tatsächlich in Fabriken?+

Ja, die Zahl namentlich belegter Einsätze ist aber überschaubar. Am besten dokumentiert ist der Einsatz des Schwestermodells G2 beim Elektronikfertiger Longcheer in Nanchang, wo mehrere Geräte die Prüfstationen einer Tabletfertigung bestücken. AgiBot nennt für die Linie 310 geprüfte Geräte pro Stunde und für den einzelnen Roboter einen Takt von 18 bis 20 Sekunden, die Erfolgsquote lag in einem achtstündigen Livestream bei über 99,5 Prozent und in einer sechstägigen Dauerschicht bei 99,99 Prozent. Dazu kommen knapp 100 radgetriebene A2-W beim Kfz-Zulieferer Fulin Precision. Wie viele der über 15.000 gebauten Geräte produktiv arbeiten und wie viele in Vorführung, Vermietung und Forschung stecken, legt AgiBot nicht offen.

Diese Roboter könnten dich auch interessieren