Ein börsennotierter Roboterhersteller
UBTECH Robotics gehört zu den ältesten Namen im Feld. Das Unternehmen wurde im März 2012 in Shenzhen gegründet, Gründer und Vorstandsvorsitzender ist Zhou Jian. Am 29. Dezember 2023 ging UBTECH an der Hongkonger Börse an den Start und war damit nach eigener Darstellung das erste Humanoid-Robotik-Unternehmen im Hauptsegment der HKEX. Nach eigenen Angaben hält das Unternehmen Mitte 2026 über 3.100 erteilte Patente und war an 53 Industriestandards federführend beteiligt, darunter sechs nationale Normen für humanoide Roboter. Unabhängig geprüft sind diese Zahlen nicht.
Wirtschaftlich ist die Lage zweischneidig. Der Konzernumsatz wuchs 2025 um 53 Prozent auf gut zwei Milliarden Yuan, im ersten Halbjahr 2026 noch einmal um 104 Prozent. Das Geschäft mit Ganzkörper-Humanoiden legte dabei am stärksten zu und macht inzwischen fast die Hälfte des Umsatzes aus. Gleichzeitig schreibt UBTECH weiter Verluste, 790 Millionen Yuan im Jahr 2025 und 339 Millionen im ersten Halbjahr 2026. Die spektakulären Wachstumsraten des Humanoid-Segments, 2.204 Prozent im Jahr 2025 und 1.445 Prozent im ersten Halbjahr 2026, beruhen auf einer sehr kleinen Vorjahresbasis.
Der Akkuwechsel als Konstruktionsprinzip
Die Laufzeit ist bei zweibeinigen Robotern das Nadelöhr, und die Branche hat zwei Antworten darauf gefunden: schnelles Zwischenladen oder Akkutausch. UBTECH hat sich für den Tausch entschieden und ihn im Juli 2025 vollautomatisch vorgeführt, nach eigener Darstellung als erster Hersteller weltweit.
Technisch trägt der Walker S2 zwei Module, deren Ladung im Betrieb dynamisch ausgeglichen wird. Wird es eng, entscheidet die Steuerung anhand der Aufgabenpriorität selbst, ob geladen oder gewechselt wird. Der Wechsel dauert nach Herstellerangabe unter drei Minuten und läuft ohne Abschalten ab. Fällt ein Modul aus, übernimmt das zweite.
Was das Verfahren nicht löst, sagt UBTECH selbst: Der Verschleiß der Gelenke bleibt. Die Werbeaussage vom Betrieb rund um die Uhr steht damit in einem gewissen Spannungsverhältnis zu den eingeräumten Grenzen der Haltbarkeit. Wie sich Laufzeit, Ladeleistung und Verfügbarkeit bei Humanoiden generell zueinander verhalten, haben wir im Beitrag über Akku und Laufzeit auseinandergenommen.
Vom Walker X zum Walker S2
Die Entwicklungslinie ist gut dokumentiert und zeigt, wie schnell sich diese Geräteklasse verändert. Der Walker X von 2021 war 130 Zentimeter groß, wog 63 Kilogramm, hatte 41 Freiheitsgrade und kam mit einem 10-Amperestunden-Akku auf etwa zwei Stunden Laufzeit. Gerechnet wurde auf einem Intel-Notebookprozessor mit kleiner Grafikkarte.
Der Walker S1 von 2024 war mit 172 Zentimetern und 76 Kilogramm bereits ein anderes Kaliber und trug erstmals 15 Kilogramm. Der S2 legt vier Zentimeter zu und wird je nach Zählweise drei bis sechs Kilogramm leichter, wechselt im Kopf von der kamerareichen Rundumwahrnehmung auf passives Stereosehen, bekommt Hände der vierten Generation und eben das Doppelakkusystem.
Wo die Geräte stehen, und was das wert ist
Die Kundenliste ist beeindruckend und verlangt trotzdem eine nüchterne Lesart. UBTECH nennt BYD, Geely, FAW-Volkswagen, Audi FAW, BAIC, Foxconn und SF Express, dazu seit Januar 2026 Airbus und Texas Instruments. Die 2025 neu eingegangenen Aufträge summierten sich auf knapp 1,4 Milliarden Yuan.
Der Haken: Alle diese Angaben stammen vom Hersteller. Kein Anwender hat eigene Zahlen zu Taktzeiten, Verfügbarkeit oder Wirtschaftlichkeit veröffentlicht. Airbus selbst spricht ausdrücklich von einer frühen Konzepterprobung. Der Marktforscher Interact Analysis und das Berliner China-Institut Merics ordnen die meisten chinesischen Humanoid-Einsätze als Pilotprojekte und Konzepttests ein, nicht als Produktivbetrieb.
Dazu kommt eine Episode, die für die Branche bezeichnend ist. Im November 2025 veröffentlichte UBTECH ein Video mit hunderten synchron marschierenden Walker S2. Figure-Chef Brett Adcock erklärte öffentlich, das Material sei teilweise gefälscht, nur der vorderste Roboter sei echt. UBTECH konterte mit Drohnenaufnahmen und Rohton. Eine unabhängige technische Prüfung, die eine der beiden Seiten bestätigt, gibt es bis heute nicht.
Der deutsche Bezug
Für den deutschsprachigen Markt ist der Walker S2 aus einem Grund interessanter als die meisten chinesischen Modelle: Es gibt einen echten Vertriebsweg. Terra Robotics, unterstützt von der Wortmann AG, ist seit April 2026 exklusiver Distributor für Deutschland, Österreich und die Schweiz und hat mehrere Dutzend Geräte gekauft. Als ersten Endkunden nennt UBTECH die Drogeriekette Rossmann, wo die Roboter in Logistikzentren Material handhaben und sortieren sollen.
Was fehlt, sind Preise und Nachweise. Zu CE-Kennzeichnung, Konformitätserklärung, Baumusterprüfung oder angewandten Sicherheitsnormen findet sich in keiner Quelle eine Angabe. Bei einem Gerät, das in einem deutschen Logistikzentrum neben Menschen arbeiten soll, ist das die entscheidende offene Frage, und sie gehört in jedes Angebot. Wer eine solche Anschaffung plant, findet die passenden Fragen in unserem Kaufratgeber.
Einordnung
Innerhalb der Industrie-Humanoiden besetzt der Walker S2 eine klare Position: Er gehört zu den wenigen Modellen mit belegten vierstelligen Auslieferungszahlen, allerdings fast ausschließlich in China, und hat das konsequenteste Energiekonzept. Gegenüber Apptronik Apollo, der ebenfalls Wechselakkus hat, aber keine Wechselzeit nennt, ist er in diesem Punkt transparenter. Gegenüber Agility Digit, der an einer Ladestation andockt, spart er die Ladepause.
Die Kehrseite ist die Datenlage. Traglast, Freiheitsgrade und Geschwindigkeit stehen in einer Spezifikationsgrafik auf der Herstellerseite, Akkukapazität und Laufzeit nur in der SDK-Dokumentation und in Distributorangaben, und zwar uneinheitlich. Zur Schutzart schweigt UBTECH ganz. Für eine Anlagenplanung fehlen damit belastbare Werte. Ein direkter Blick auf die Zahlen aller Modelle steht in unserer Vergleichstabelle.
Fähigkeiten & Anwendungsbereiche
Autonomer Akkuwechsel in unter drei Minuten
Der Roboter erkennt einen niedrigen Ladestand, geht selbstständig zur Wechselstation, entnimmt mit beiden Armen das Modul aus der Rückenkavität und setzt ein geladenes ein. Die Kopfkameras lesen dabei die Statusanzeigen der Station. Fällt der Hauptakku aus, schaltet die Steuerung auf den Reserveakku um. UBTECH beansprucht, damit der weltweit erste Anbieter gewesen zu sein. Unabhängig geprüft ist weder die Erstmaligkeit noch die Zeitangabe.
Hände mit Kraft und Gefühl
Die Gen-4-Industriehände haben elf Freiheitsgrade, ein sechsteiliges taktiles Sensorarray und greifen mit 7,5 Kilogramm je Hand, einzelne Finger mit einem Kilogramm. Zusammen mit den Sechs-Achs-Kraftsensoren an den Handgelenken ermöglicht das eine kraftgeregelte Feinpositionierung, wie sie beim Fügen von Bauteilen gebraucht wird.
Sehen ohne LiDAR
Im Kopf verzichtet der Walker S2 auf Laserscanner und aktive Tiefensensorik und arbeitet mit passivem RGB-Stereosehen, die Tiefenkarte entsteht per Deep Learning in Echtzeit. UBTECH beansprucht damit Chinas ersten Humanoiden mit reiner RGB-Stereolösung im Kopf. An Taille und Rücken sitzen zusätzlich zwei aktive Tiefenkameras. Das spart Kosten und Gewicht, macht die Wahrnehmung aber abhängig von Beleuchtung und Bildinhalt.
Über tausend ausgelieferte Geräte
UBTECH meldet für das Geschäftsjahr 2025 1.079 verkaufte Ganzkörper-Humanoiden und für das erste Halbjahr 2026 weitere 921. Der tausendste Industrie-Humanoide lief am 26. Dezember 2025 im Werk Liuzhou vom Band. Die Zahlen beziehen sich auf die Ganzkörper-Humanoiden der Walker-S-Serie, eine vollständige Aufschlüsselung nach S1 und S2 veröffentlicht das Unternehmen nicht.
Flottenbetrieb statt Einzelkämpfer
Unter dem Namen BrainNet 2.0 verbindet UBTECH ein großes multimodales Modell mit einem schlankeren Modell auf dem Gerät. Die Ebene darüber nennt der Hersteller Co-Agent, sie koordiniert mehrere Roboter auf einer Linie. Beim Autobauer Zeekr trainieren nach Herstellerangabe dutzende Geräte der Vorgängergeneration gemeinsam Sortier-, Transport- und Montageaufgaben samt Qualitätsprüfung. UBTECH bezeichnet das ausdrücklich als Training, nicht als Produktivbetrieb.
Über Terra Robotics nach Deutschland
Seit März 2026 ist Terra Robotics exklusiver Distributor für Deutschland, Österreich und die Schweiz, unterstützt von der Wortmann AG. Eine erste Charge von mehreren Dutzend Geräten wurde bestellt. Erster benannter deutscher Anwender ist Rossmann: Seit dem 17. März 2026 testet die Drogeriekette ein einzelnes Gerät im Logistikzentrum Burgwedel, das Pilotprojekt ist auf das Jahr 2026 angelegt.
Häufig gestellte Fragen
Wie funktioniert der autonome Akkuwechsel des Walker S2?+
Der Roboter trägt zwei Akkumodule, die im Betrieb dynamisch ausgeglichen werden. Sinkt der Ladestand, geht er selbstständig zu einer Wechselstation, greift mit beiden Armen hinter sich, zieht das leere Modul aus einer Klappe im Rücken und setzt ein geladenes ein. UBTECH gibt dafür unter drei Minuten an und wirbt mit Dauerbetrieb rund um die Uhr. Beides sind Herstellerangaben, eine unabhängige Zeitmessung gibt es nicht.
Was kostet ein UBTECH Walker S2?+
Es gibt keinen öffentlichen Listenpreis und kein veröffentlichtes Mietmodell. UBTECH verweist auf Anfrage. Der einzige belastbare Anhaltspunkt ist eine Kostenaussage des Unternehmens: Die Fertigungskosten sollen jährlich um 20 bis 30 Prozent sinken und bis 2027 bis 2030 unter 20.000 US-Dollar je Gerät liegen. Aus den gemeldeten Auftragsvolumen lässt sich kein Stückpreis ableiten, weil darin auch Stationen und Dienstleistungen stecken.
Wo arbeiten Walker-Roboter tatsächlich?+
UBTECH nennt BYD, Dongfeng Liuzhou, Geely, FAW-Volkswagen Qingdao, Audi FAW, BAIC New Energy, Foxconn und SF Express. Dazu kommen Airbus, das die Zusammenarbeit selbst als frühe Konzepterprobung bezeichnet, und Texas Instruments, das Geräte gekauft hat und den Einsatz im Werk Sherman in Texas plant. Wichtig zur Einordnung: Sämtliche Angaben stammen aus Mitteilungen von UBTECH. Kein Kunde hat eigene Produktivitäts- oder Verfügbarkeitszahlen veröffentlicht.
Wie produktiv ist der Walker S2 im Vergleich zu einem Menschen?+
UBTECH selbst hat gegenüber der Financial Times eingeräumt, dass der Roboter nur 30 bis 50 Prozent der Produktivität einer menschlichen Arbeitskraft erreicht. Bis 2027 sollen es 80 Prozent werden. Als Gründe nennt das Unternehmen den nötigen manuellen Werkzeugwechsel, eine für echten Dauerbetrieb nicht ausreichende Energieautonomie und Gelenke, die für den Langzeitbetrieb noch nicht haltbar genug sind.
Kann man den Walker S2 in Deutschland bekommen?+
Es gibt einen offiziellen Weg. Terra Robotics ist seit März 2026 exklusiver Distributor für den deutschsprachigen Raum und hat mehrere Dutzend Geräte einer ersten Charge gekauft. Erster benannter Kunde ist Rossmann, wo seit dem 17. März 2026 ein einzelnes Gerät im Logistikzentrum Burgwedel getestet wird. Preise für Europa sind nicht veröffentlicht, ebenso wenig Angaben zu CE-Kennzeichnung, Konformitätserklärung oder angewandten Sicherheitsnormen. Diese Punkte gehören in jede Anfrage.