10. August 2026
Humanoide Roboter in der Logistik: Wo sie 2026 wirklich arbeiten
Humanoide Roboter in der Logistik: Digit bei GXO, Figure bei BMW, Apollo bei Mercedes. Welche Aufgaben sie 2026 übernehmen und was noch nicht funktioniert.
Bild: KI-Illustration (Higgsfield), erstellt für humanoid-portal.de · KI-generiert, keine reale Fotografie
Ein humanoider Roboter in der Logistik ist eine Maschine in Menschengestalt, die Behälter, Kartons und Kleinteile in Lagern und Werkshallen bewegt, ohne dass das Gebäude dafür umgebaut werden muss. Genau darin liegt der Unterschied zur klassischen Lagerautomatisierung. Fördertechnik und Regalbediengeräte verlangen eine Halle, die für sie geplant wurde. Ein Humanoid soll in die Halle passen, die schon steht.
Im August 2026 ist die Logistik das am weitesten entwickelte Einsatzfeld dieser Roboter. Nicht die Pflege, nicht der Haushalt, nicht der Einzelhandel. Wenn heute irgendwo auf der Welt ein Humanoid für Geld arbeitet und nicht für ein Video, dann steht er mit hoher Wahrscheinlichkeit an einem Förderband. Dieser Text ordnet ein, welche Einsätze belegt sind, welche Leistung die Maschinen tatsächlich bringen und an welchen Stellen der Betrieb heute noch scheitert.
Warum die Logistik zuerst dran ist
Drei Eigenschaften machen das Lager zum idealen ersten Markt.
Erstens ist die Umgebung standardisiert. Ein Behälter der Größe 600 mal 400 Millimeter sieht in Georgia genauso aus wie in Bayern. Ein Roboter, der genau diesen Behälter greifen kann, ist damit in Tausenden Betrieben einsetzbar, ohne dass sein Greifer neu entwickelt werden muss.
Zweitens sind die Aufgaben repetitiv und körperlich anstrengend. Behälter von einer Palette abtragen, Kisten auf ein Band setzen, leere Kartons zur Presse bringen. Das sind Tätigkeiten mit hoher Fluktuation und chronischen Besetzungsproblemen, gerade in Nacht- und Wochenendschichten.
Drittens ist der Erfolg messbar. Ein Lager zählt Behälter, Picks und Fehlgriffe ohnehin. Anders als bei einem Serviceroboter im Empfangsbereich lässt sich hier auf die Nachkommastelle beziffern, ob sich die Maschine rechnet. Für Hersteller ist das unbequem und gleichzeitig der einzige Weg zu belastbaren Referenzen.
Dazu passt die Marktstatistik. Analysten ordnen industriellen und logistischen Anwendungen 2026 rund ein Drittel des gesamten Marktes für humanoide Roboter zu, deutlich mehr als jedem anderen Segment. Das Marktvolumen selbst wird je nach Studie sehr unterschiedlich beziffert, die Bandbreite reicht für 2026 von etwa drei bis über sechs Milliarden US-Dollar. Solche Zahlen sind mit Vorsicht zu lesen, weil die Definitionen auseinandergehen. Die Richtung ist trotzdem eindeutig.
Digit bei GXO: der am besten dokumentierte Fall
Der belastbarste Einsatz der Branche läuft in Flowery Branch im US-Bundesstaat Georgia. Dort betreibt der Logistikdienstleister GXO ein Verteilzentrum für den Bekleidungshersteller Spanx. Seit Juni 2024 arbeitet dort Digit von Agility Robotics an einer festen Station: Der Roboter nimmt Behälter von einem autonomen mobilen Transportsystem ab und setzt sie auf ein Förderband.
Im November 2025 meldete Agility die Marke von 100.000 bewegten Behältern an diesem einen Standort. Das klingt unspektakulär und ist trotzdem die wichtigste Zahl der Branche, weil sie nicht aus einer Demonstration stammt, sondern aus dem Tagesgeschäft eines Dienstleisters, der pro Stück abrechnet.
Digit ist rund 1,75 Meter groß und hebt etwa 16 Kilogramm. Die Beine mit ihren rückwärts geknickten Kniegelenken sehen ungewohnt aus, sind aber gezielt auf energiesparendes Gehen ausgelegt. Der Roboter wird nicht verkauft, sondern als Dienstleistung vermietet. Kunde und Hersteller vereinbaren eine monatliche Rate, in der Wartung, Software-Updates und Verfügbarkeitszusagen enthalten sind.
Die Kundenliste ist inzwischen breiter als ein einzelnes Pilotprojekt. Neben GXO seit Juni 2024 stehen dort der deutsche Zulieferer Schaeffler, der seit Anfang 2025 in einem Werk in Cheraw, South Carolina, achtstündige Schichten mit Digit fährt, außerdem der lateinamerikanische Händler Mercado Libre seit Dezember 2025 und Toyota Motor Manufacturing Canada seit Februar 2026. Agility spricht von mehr als 300 Millionen US-Dollar an mehrjährigen Aufträgen für die aktuelle Digit-Generation, abhängig von vertraglichen Meilensteinen, und von einer Pipeline mit über 30 Kunden.
Im Juni 2026 hat das Unternehmen zudem den Gang an die Börse über eine Fusion mit einer Übernahmegesellschaft angekündigt, bewertet mit rund 2,5 Milliarden US-Dollar. Die eigene Fabrik RoboFab in Salem, Oregon, ist nach Unternehmensangaben auf bis zu 10.000 Einheiten pro Jahr ausgelegt. Ob diese Kapazität jemals gebraucht wird, hängt genau an den Zahlen aus Hallen wie der in Flowery Branch.
Ein Lagerbetreiber testet gleich drei Hersteller
Bemerkenswert an GXO ist, dass der Dienstleister sich nicht auf einen Anbieter festgelegt hat. Parallel zu Digit laufen Erprobungen mit Apollo von Apptronik sowie mit einem radgestützten Modell des US-Herstellers Reflex Robotics. Letzteres nimmt bei einem Sportbekleidungskunden leere Kartons von mobilen Robotern ab und führt sie einer Recyclingmaschine zu.
Diese Parallelität sagt viel über den Reifegrad. Ein Betreiber, der drei verschiedene Bauformen gleichzeitig testet, hat noch keine Antwort auf die Frage, welche Bauform überhaupt die richtige ist. Zweibeinig oder auf Rädern, ein Arm oder zwei, feste Station oder frei fahrend: All das ist offen.
Ebenso aufschlussreich ist eine Einschränkung, die der Dienstleister offen benennt. Jeder der eingesetzten Roboter erfüllt derzeit genau eine Aufgabe. Das Versprechen der Branche lautet zwar Universalmaschine, geliefert wird aber vorerst ein sehr flexibel aufstellbarer Spezialist. Der Unterschied ist wirtschaftlich entscheidend, denn ein Gerät für eine Aufgabe konkurriert mit klassischer Automatisierung, die diese Aufgabe seit Jahrzehnten billiger erledigt.
Fabriklogistik: Figure bei BMW, Apollo bei Mercedes
Der zweite große Strang läuft in der Automobilindustrie, und zwar nicht in der Montage selbst, sondern in der Versorgung der Montage.
Im Werk Spartanburg in South Carolina setzt BMW seit Ende Juni 2026 Figure 03 ein. Die Aufgabe ist Sequenzierung: Der Roboter nimmt unsortierte Bauteile auf und legt sie in Sequenzwagen, damit sie in der richtigen Reihenfolge an die Linie gehen. Zuvor lief elf Monate lang ein Test mit der Vorgängergeneration Figure 02, die nach Angaben der Beteiligten an der Produktion von mehr als 30.000 Fahrzeugen der X3-Baureihe beteiligt war. Über die Größe der neuen Flotte kursieren unterschiedliche Angaben, berichtet werden mehrere Dutzend Einheiten. Eine offiziell bestätigte Stückzahl liegt nicht vor.
Mercedes-Benz wiederum erprobt Apollo von Apptronik für die Zuführung schwerer Teile an die Linie, mit Bauteilgewichten bis etwa 25 Kilogramm. Apptronik hat dafür Ende Juni 2026 in Austin eine eigene Einrichtung namens Robot Park eröffnet, rund 8.400 Quadratmeter groß, in der Flotten von Apollo-Robotern durchgehend echte Arbeitsschritte ausführen. Der Zweck ist weniger Produktion als Datengewinnung: Jede Bewegung fließt in das Training der Steuerungsmodelle.
Auch Amazon gehört zu den Testern. Der Konzern erprobt Digit seit einigen Jahren in eigenen Standorten, hat daraus aber bisher keinen breiten Rollout gemacht. Das ist ein wichtiges Korrektiv zur Euphorie: Wer über eine Million Automatisierungsgeräte im Bestand hat, misst einen Humanoiden nicht an dem, was er kann, sondern an dem, was die vorhandene Technik bereits leistet.
Der deutsche Blick: zwei Wochen in einem Siemens-Werk
Für Deutschland gibt es bislang genau einen gut dokumentierten Einsatz. Siemens hat im Januar 2026 gemeinsam mit dem britischen Hersteller Humanoid einen zweiwöchigen Machbarkeitsnachweis in der eigenen Werkslogistik durchgeführt, öffentlich gemacht wurde er im April.
Die Aufgabe war das Abtragen gestapelter Behälter und deren Übergabe an ein Förderband. Der eingesetzte radgestützte Roboter HMND 01 Alpha arbeitete nach Angaben der Beteiligten über acht Stunden autonom, erreichte 60 Behälterbewegungen pro Stunde und eine Erfolgsquote beim Greifen und Ablegen von über 90 Prozent.
Diese drei Zahlen lohnen eine genauere Betrachtung, weil sie ehrlicher sind als die meisten Werbevideos. 60 Bewegungen pro Stunde bedeutet eine Bewegung pro Minute. Ein geübter Mensch schafft ein Vielfaches. Und eine Erfolgsquote von 90 Prozent heißt im Umkehrschluss, dass etwa jeder zehnte Versuch nicht auf Anhieb klappt. In einem Prozess mit fester Taktzeit ist das noch nicht betriebstauglich, in einem entkoppelten Puffervorgang dagegen durchaus.
Der zweite deutsche Bezug ist Schaeffler. Der Zulieferer aus Herzogenaurach hat sich nicht nur als Kunde, sondern auch als Investor bei Agility Robotics engagiert und betreibt Digit im laufenden Betrieb, allerdings in den USA. Damit wiederholt sich ein Muster, das auch in anderen Feldern der Robotik zu beobachten ist: Deutsche Industrieunternehmen sind früh dabei, die Erprobung findet aber dort statt, wo Genehmigungen und Arbeitszeitmodelle einfacher sind.
Wer wo im Einsatz ist: der Stand im August 2026
| Roboter | Hersteller | Einsatzort | Aufgabe | Stand |
|---|---|---|---|---|
| Digit | Agility Robotics (USA) | GXO, Flowery Branch (USA) | Behälter vom Transportroboter aufs Förderband | Kommerziell seit Juni 2024, über 100.000 Behälter |
| Digit | Agility Robotics | Schaeffler, Cheraw (USA) | Werkslogistik, Achtstundenschichten | Kommerziell seit Anfang 2025 |
| Digit | Agility Robotics | Toyota Motor Manufacturing Canada | Materialtransport | Vertrag seit Februar 2026 |
| Figure 03 | Figure AI (USA) | BMW, Spartanburg (USA) | Teile für die Montagelinie sequenzieren | Einsatz seit Juni 2026 |
| Apollo | Apptronik (USA) | Mercedes-Benz | Zuführung von Teilen bis rund 25 kg | Erprobung |
| Apollo 2 | Apptronik | Robot Park, Austin (USA) | Dauerbetrieb zu Trainingszwecken | Seit Juni 2026 |
| HMND 01 Alpha | Humanoid (UK) | Siemens-Werkslogistik (Deutschland) | Behälter abstapeln, 60 Bewegungen pro Stunde | Zweiwöchiger Test im Januar 2026 |
| Reflex-Modell | Reflex Robotics (USA) | GXO, Kunde aus dem Sportbereich | Leere Kartons zur Recyclingmaschine | Erprobung |
Gemini Robotics 2: der Sprung liegt in der Software
Die Hardware ist inzwischen selten der Engpass. Beine, Greifer und Akkus funktionieren gut genug für einfache Behälterarbeit. Was fehlte, war eine Steuerung, die den ganzen Körper koordiniert.
Genau hier gab es Ende Juli 2026 einen erkennbaren Fortschritt. Google DeepMind hat am 30. Juli 2026 Gemini Robotics 2 vorgestellt, ein Modell, das Sehen, Sprache und Handlung verbindet und erstmals den kompletten Körper eines Humanoiden steuert, also Gehen, Balancieren, Beugen und das Greifen mit fünffingrigen Händen in einer einzigen Regelung. Demonstriert wurde das auf Apollo 2 von Apptronik. In einem der gezeigten Beispiele erhält der Roboter die Anweisung, eine Gießkanne in einen grünen Behälter im unteren Regalfach zu stellen, durchquert daraufhin den Raum, greift den Gegenstand und setzt ihn ab.
Veröffentlicht wurden drei Varianten: das eigentliche Handlungsmodell, ein Modell für räumliches Schlussfolgern und Kommunikation sowie eine Variante, die direkt auf dem Roboter läuft und ohne Cloudverbindung auskommt.
Für die Logistik ist die letzte Variante die interessanteste. In einem Lager mit Metallregalen und schwankender Funkabdeckung ist eine Steuerung, die auf eine stabile Internetverbindung angewiesen ist, ein Ausfallrisiko. Und der Schritt vom Einzelgriff zur mehrstufigen Aufgabe ist genau der, an dem sich entscheidet, ob aus dem Spezialisten für eine Station eine Maschine für mehrere Arbeitsplätze wird.
Was ein Roboterarbeiter kostet
Die Frage nach dem Preis wird selten offen beantwortet, weil kaum ein Hersteller Listenpreise nennt. Aus öffentlich zugänglichen Unterlagen lässt sich aber eine Größenordnung ableiten.
Marktanalysen ordnen die industrielle Einstiegswelle bis 2030 in eine Spanne von etwa 80.000 bis 250.000 US-Dollar pro Einheit ein. Beim Mietmodell modellierte Agility Robotics in Investorenunterlagen eine Größenordnung von rund 8.500 US-Dollar monatlich pro Roboter. Was einzelne Kunden tatsächlich zahlen, ist nicht veröffentlicht.
Rechnerisch wird daraus ein einfacher Vergleich. Ein Roboter, der 8.500 Dollar im Monat kostet und in drei Schichten läuft, konkurriert nicht mit einer Arbeitskraft, sondern mit zwei oder drei. Genau deshalb betonen alle Anbieter den Mehrschichtbetrieb so stark. Die Maschine ist langsamer als ein Mensch, aber sie macht keine Pause und meldet sich nicht krank. Ob diese Rechnung aufgeht, hängt vollständig an der Verfügbarkeit. Ein Roboter, der zweimal pro Woche einen Techniker braucht, ist wirtschaftlich sofort erledigt.
Ein zweiter Kostenblock wird regelmäßig unterschätzt: die Integration. Der Roboter muss an das Lagerverwaltungssystem angebunden werden, Sicherheitsbereiche müssen definiert und geprüft, Mitarbeiter geschult werden. In Pilotprojekten macht dieser Aufwand oft mehr aus als die Miete selbst.
Was noch nicht funktioniert
Bei aller Bewegung im Markt sollte man die offenen Punkte klar benennen.
Der Roboter ist zu langsam. Bei Kommissionieraufgaben werden aus Pilotprojekten Werte im Bereich von etwa 70 bis 85 Prozent der menschlichen Geschwindigkeit berichtet, bei anspruchsvolleren Griffen liegt der Abstand größer. In Prozessen mit fester Taktzeit reicht das nicht.
Der Roboter kann eine Sache. Alle bekannten Einsätze sind Einzelaufgaben an einer festen Station. Der wirtschaftliche Reiz eines Humanoiden liegt aber darin, dass er im Tagesverlauf mehrere Arbeitsplätze abdeckt. Diesen Nachweis hat bisher niemand öffentlich erbracht.
Die Zulassung ist aufwendig. In der EU fällt eine solche Maschine unter die Maschinenverordnung, je nach Anwendung zusätzlich unter die KI-Verordnung. Nötig sind Risikobeurteilung, Konformitätsbewertung und eine Absicherung des Arbeitsbereichs. Das erklärt, warum die meisten Erprobungen in abgetrennten Zonen stattfinden und warum Europa bei den Einsatzzahlen hinter den USA und China liegt.
Die Datenlage ist dünn. Praktisch alle veröffentlichten Kennzahlen stammen von den Herstellern selbst oder von ihren Kunden. Unabhängige Messungen über längere Zeiträume fehlen, ebenso Angaben zu Ausfallzeiten und Wartungsaufwand. Wer heute investiert, tut das auf Basis von Referenzen, nicht auf Basis von Normwerten.
Der chinesische Faktor
Während in den USA und Europa über Pilotprojekte diskutiert wird, entsteht in China die Stückzahl. Der Hangzhouer Hersteller Unitree hat am 6. August 2026 seinen Börsengang am Shanghaier STAR Market bepreist, bei 150,80 Yuan je Aktie und einer Bewertung um neun Milliarden US-Dollar. Gezeichnet werden konnte ab dem 10. August. Das Unternehmen lieferte 2025 nach eigenen Angaben mehr als 5.500 humanoide Roboter aus, bei einem Umsatz von rund 1,7 Milliarden Yuan.
Für die Logistik ist das aus zwei Gründen relevant. Erstens drückt Volumen die Komponentenpreise, und zwar für alle. Aktuatoren, Kraftsensoren und Getriebe werden zu Katalogware, sobald jemand sie in sechsstelliger Zahl bestellt. Zweitens sind Modelle wie der Unitree G1 heute vor allem Forschungs- und Entwicklungsplattformen, aber sie senken die Einstiegshürde für alle, die eigene Anwendungen aufbauen wollen. Wer in Europa eine Logistikanwendung entwickeln will, kauft mit hoher Wahrscheinlichkeit chinesische Hardware und schreibt die Software selbst.
Eine belastbare Zahl zu humanoiden Robotern im chinesischen Lagerbetrieb gibt es allerdings nicht. Die dortigen Einsätze konzentrieren sich bislang auf Fertigung, Ausstellungsflächen und Erprobung, nicht auf Distributionszentren.
Einordnung: interessant, aber noch nicht entschieden
Die Logistik ist 2026 das einzige Feld, in dem humanoide Roboter regelmäßig Geld verdienen. Über 100.000 bewegte Behälter an einem Standort sind ein echter Beleg, keine Ankündigung. Gleichzeitig steht dieser Beleg für genau eine Aufgabe an genau einer Station, und die Maschine ist dabei langsamer als ein Mensch.
Der nächste überprüfbare Schritt ist deshalb nicht das nächste Video und auch nicht die nächste Finanzierungsrunde. Er lautet: Ein Betreiber dokumentiert, dass derselbe Roboter im Tagesverlauf mehrere unterschiedliche Arbeitsplätze bedient hat, unbeaufsichtigt und über Wochen. Wer das zuerst zeigt, hat den Markt.
Bis dahin gilt für die Lagerhalle, was auch für den Rest der Branche gilt. Wer wissen will, wie weit humanoide Roboter sind, sollte weniger auf die Datenblätter schauen und mehr auf die Schichtprotokolle. Eine Übersicht der aktuellen Modelle mit Größe, Traglast und Verfügbarkeit findet sich in unserem Vergleich humanoider Roboter, eine Einordnung der Anbieter in der Herstellerübersicht.
Häufige Fragen
Werden humanoide Roboter 2026 wirklich in Lagern eingesetzt?+
Ja, allerdings in kleiner Zahl und mit eng umrissenen Aufgaben. Am besten dokumentiert ist Digit von Agility Robotics, der in einem Verteilzentrum des Logistikdienstleisters GXO in Flowery Branch, Georgia, seit Juni 2024 mehr als 100.000 Transportbehälter bewegt hat. Weitere Einsätze laufen bei Schaeffler, Toyota Motor Manufacturing Canada und BMW in Spartanburg.
Welche Aufgaben übernehmen humanoide Roboter in der Logistik?+
Fast immer geht es um das Bewegen genormter Behälter: Kisten von einem mobilen Roboter auf ein Förderband setzen, Stapel abtragen, Kartons zur Presse bringen, Teile für die Montagelinie vorsortieren. Es sind wiederkehrende Handgriffe an einer festen Station, keine frei wählbaren Tätigkeiten.
Wie schnell sind humanoide Roboter im Vergleich zu Menschen?+
Deutlich langsamer. Der britische Hersteller Humanoid erreichte in einem Siemens-Werk 60 Behälterbewegungen pro Stunde bei einer Erfolgsquote von über 90 Prozent. Berichte aus Pilotprojekten von Logistikdienstleistern nennen für Kommissionieraufgaben Werte im Bereich von etwa 70 bis 85 Prozent der menschlichen Geschwindigkeit. Der wirtschaftliche Reiz liegt daher nicht im Tempo, sondern in der Verfügbarkeit über mehrere Schichten.
Was kostet ein humanoider Roboter für die Logistik?+
Marktanalysen ordnen die industrielle Einstiegswelle bis 2030 in eine Preisspanne von etwa 80.000 bis 250.000 US-Dollar pro Einheit ein. Verbreiteter ist aber das Mietmodell: Der Roboter wird als Dienstleistung monatlich abgerechnet, inklusive Wartung und Software. Agility Robotics hat in Investorenunterlagen eine Größenordnung von rund 8.500 US-Dollar pro Monat und Roboter modelliert.
Gibt es humanoide Roboter in deutschen Lagern?+
Erste Tests ja, Regelbetrieb nein. Siemens hat im Januar 2026 gemeinsam mit dem britischen Hersteller Humanoid zwei Wochen lang einen Roboter in der eigenen Werkslogistik erprobt. Der deutsche Zulieferer Schaeffler setzt Digit seit Anfang 2025 ein, allerdings in einem Werk in South Carolina, nicht in Deutschland.
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