Zum Inhalt springen
Humanoid-Portal

30. Juli 2026

AgiBot: Der Weltmarktführer bei humanoiden Robotern, den kaum jemand kennt

AgiBot ist laut Omdia Weltmarktführer bei humanoiden Robotern und startet den Hongkonger Börsengang. Zahlen, Modelle, KI-Modelle und Einordnung im Deep-Dive.

Humanoider Roboter AGIBOT X2 auf dem Mobile World Congress 2026 in Barcelona

Bild: Foto: Wikimedia Commons / JJxFile · CC BY 4.0

AgiBot ist der Hersteller, der 2025 weltweit die meisten humanoiden Roboter ausgeliefert hat. Das Marktforschungsunternehmen Omdia zählte 5.168 Einheiten und einen Anteil von 39 Prozent am globalen Markt. Trotzdem kennt in Deutschland fast niemand den Namen. Während Tesla, Figure und Boston Dynamics die Schlagzeilen bestimmen, hat ein 2023 gegründetes Unternehmen aus Shanghai in aller Ruhe die Produktionsführerschaft übernommen. Am 24. Juli 2026 hat AgiBot das Verfahren für einen Börsengang in Hongkong gestartet, angestrebt wird eine Bewertung von bis zu 6,4 Milliarden US-Dollar. Zeit für einen genauen Blick auf das Unternehmen.

Wer hinter AgiBot steckt

Offiziell heißt die Firma Zhiyuan Innovation (Shanghai) Technology Co., Ltd., international tritt sie als AgiBot auf, in China als Zhiyuan Robotics. Gegründet wurde sie im Februar 2023 von zwei Leuten mit Huawei-Vergangenheit, und diese Kombination erklärt einen guten Teil des späteren Tempos.

Deng Taihua ist Vorstandsvorsitzender und CEO. Er war Vizepräsident bei Huawei und verließ den Konzern Ende 2022. Von ihm kommt die industrielle Seite: Lieferketten, Fertigungsplanung, Vertrieb an große Unternehmenskunden.

Peng Zhihui, Jahrgang 1993, ist Mitgründer, Präsident und Technikchef. In China ist er weit über die Robotikszene hinaus bekannt, weil er unter dem Netznamen Zhihuijun Bastelvideos veröffentlichte, darunter einen von Iron Man inspirierten Roboterarm, der viral ging. 2020 wurde er in Huaweis Programm für besonders begabte Nachwuchsingenieure aufgenommen, das intern „Genius Youth” heißt. Seinen Master in Informations- und Kommunikationstechnik machte er an der University of Electronic Science and Technology of China.

Das Kapital kommt von Investoren, die man in der Branche kennt: Tencent, Hillhouse Investment und der Elektroautokonzern BYD zählen zu den Geldgebern. Gerade die BYD-Beteiligung ist bemerkenswert. BYD hat Ende Juli 2026 gegenüber chinesischen Wirtschaftsmedien bestätigt, Anfang August seinen eigenen ersten humanoiden Roboter vorzustellen, und ist damit gleichzeitig Investor und künftiger Wettbewerber.

Die Zahlen, die AgiBot an die Spitze bringen

Der Kern der AgiBot-Geschichte ist nicht ein spektakuläres Demovideo, sondern eine Stückzahl. Der Weltmarkt für humanoide Roboter umfasste 2025 nach Omdia-Zählung rund 13.000 ausgelieferte Einheiten. Davon entfielen 5.168 auf AgiBot, was jenen Marktanteil von 39 Prozent ergibt. Kein anderer Hersteller kam auf eine vergleichbare Zahl.

Danach ging es noch schneller. Im März 2026 meldete AgiBot den 10.000sten gefertigten Roboter, Ende Juni 2026 bereits den 15.000sten. Innerhalb eines Vierteljahres kamen also etwa so viele Einheiten dazu wie im gesamten Vorjahr.

KennzahlWertStand
Auslieferungen 20255.168 EinheitenOmdia, Januar 2026
Weltmarktanteil 202539 ProzentOmdia, Januar 2026
Kumulierte Produktion10.000 EinheitenMärz 2026
Kumulierte Produktion15.000 EinheitenEnde Juni 2026
Angestrebte IPO-Bewertung5,1 bis 6,4 Mrd. US-DollarJuli 2026
GründungFebruar 2023Shanghai

Diese Zahlen relativieren einiges. Wenn in Europa über humanoide Roboter gesprochen wird, geht es meist um Tesla Optimus oder um Figure 03. Beide Unternehmen fahren ihre Fertigung derzeit erst hoch. Figure hat im Werk BotQ nach eigenen Angaben eine Taktzeit von etwa einer Stunde pro Roboter erreicht, Tesla rüstet in Fremont eine erste Optimus-Linie um. AgiBot dagegen hat die Phase, in der über Fertigungshochlauf gesprochen wird, schon hinter sich.

Eine Einschränkung gehört dazu: Stückzahlen sagen nichts über die Fähigkeiten der einzelnen Maschine. Ein großer Teil der AgiBot-Auslieferungen dürfte auf vergleichsweise einfache Modelle für Forschung, Bildung und Empfangsbereiche entfallen. Ähnliches gilt für Unitree, das ebenfalls über niedrige Preise Volumen macht. Die interessante Frage ist deshalb weniger, wer die meisten Roboter verkauft, sondern wer davon lernt.

Die Modellpalette: breiter als bei allen anderen

AgiBot verfolgt eine Strategie, die sich deutlich von der amerikanischen unterscheidet. Tesla und Figure setzen jeweils auf ein einziges Modell, das alles können soll. AgiBot baut stattdessen vier Baureihen, die sich denselben KI-Unterbau teilen, aber für unterschiedliche Aufgaben gedacht sind.

A2: der Läufer

Die A2-Reihe umfasst die zweibeinigen Humanoiden in Menschengröße. Sie ist auf Empfang, Führungen, Ausstellungsräume und öffentliche Interaktion ausgelegt, also auf Situationen, in denen der Roboter sich selbstständig durch Räume bewegen und mit Menschen sprechen muss.

Bekannt wurde der A2 durch einen Rekord. Zwischen dem 10. und 13. November 2025 lief er 106,286 Kilometer am Stück, von Suzhous Jinji-See bis an den Bund in Shanghai. Guinness World Records führt das als längste von einem humanoiden Roboter zurückgelegte Strecke. Der Roboter ist dabei nie ausgeschaltet worden, möglich machte das ein System mit im Betrieb wechselbaren Akkus. Der A2 ist 1,69 Meter groß, wiegt mit Batterie 69 Kilogramm und hat 40 Freiheitsgrade.

Solche Rekorde sind Marketing, aber nicht nur. Drei Tage Dauerbetrieb auf wechselnden Straßenbelägen ist ein harter Test für Gelenke, Wärmehaushalt und Balanceregelung. Wie diese Systeme zusammenspielen, ist im Beitrag wie humanoide Roboter funktionieren genauer beschrieben.

X2: der Kompakte

Der X2 ist etwa halb so groß wie ein Erwachsener und richtet sich an Bildung, Forschung und Unterhaltung. Er hat 25 Freiheitsgrade, läuft bis zu zwei Meter pro Sekunde und ist der Roboter, den AgiBot auf Messen wie dem Mobile World Congress in Barcelona vorführt, dort unter anderem mit einem vollständigen Spagat. Für Hochschulen und Entwicklungsteams ist ein solches Gerät oft praktischer als ein Vollformat-Humanoide, weil es weniger kostet, weniger Platz braucht und im Fehlerfall niemanden verletzt.

G2: der Fabrikarbeiter

Der G2 ist der Roboter, mit dem AgiBot Geld verdienen will. Er hat einen humanoiden Oberkörper mit kraftgeregelten Armen, steht aber auf einem radgetriebenen Fahrwerk statt auf Beinen. Für Fabrikhallen mit ebenem Boden ist das die pragmatischere Lösung: weniger Komplexität, weniger Energiebedarf, stabilerer Stand beim Greifen.

Der bislang aussagekräftigste Einsatz läuft bei Longcheer Technology, einem Auftragsfertiger für Unterhaltungselektronik. Dort bestücken G2-Roboter Prüfstationen für Multimedia-Tests, nehmen also Tablets auf, navigieren durch das Werk und setzen die Geräte millimetergenau in Prüfvorrichtungen ein. AgiBot nennt für diesen Einsatz einen Durchsatz von bis zu 310 Einheiten pro Stunde, Taktzeiten von etwa 19 bis 20 Sekunden, eine Erfolgsquote über 99,9 Prozent und eine Integrationszeit von 36 Stunden bis zur Produktivsetzung. Bis zum dritten Quartal 2026 soll der Bestand dort auf 100 Roboter wachsen.

Diese Zahlen stammen vom Hersteller und sind unabhängig nicht überprüft. Auffällig ist trotzdem, dass sie im Vergleich zu vielen Robotik-Ankündigungen unspektakulär klingen. Kein Roboter, der Wäsche faltet, sondern einer, der eine einzige Handhabungsaufgabe sehr oft und sehr zuverlässig erledigt. Genau das ist der Punkt, an dem sich Industrieautomatisierung rechnet.

D1 und A3 Ultra

Der Vierbeiner D1 fällt aus dem humanoiden Rahmen, nutzt aber denselben Software-Stack und deckt Inspektions- und Außeneinsätze ab.

Das neueste Modell ist der A3 Ultra, vorgestellt am 18. Juli 2026 auf der World Artificial Intelligence Conference in Shanghai. Er ist 1,74 Meter groß, hat 51 Freiheitsgrade, trägt bis zu fünf Kilogramm pro Arm und läuft bis zu acht Stunden am Stück, wobei die Akkus im laufenden Betrieb getauscht werden können. Als Recheneinheit sitzt NVIDIAs Thor-Plattform an Bord, die Sensordaten von Lidar und einem Kameraverbund in Echtzeit verarbeitet. Einen offiziellen Listenpreis gibt es nicht, AgiBot verkauft den A3 Ultra konfigurationsabhängig auf Anfrage.

Erwähnenswert ist auch, wie AgiBot den Zugang zu seinen Robotern gestaltet. Auf dem MWC 2026 stellte das Unternehmen ein Mietmodell nach dem Muster Robot as a Service vor. Humanoide lassen sich tageweise buchen, die Preise beginnen bei rund 899 Euro pro Tag, die Mindestmietdauer beträgt einen Tag und technischer Support vor Ort ist eingeschlossen. Abgewickelt wird das über regionale Partner in nach Unternehmensangaben 17 Ländern, Deutschland eingeschlossen. Für Firmen, die erst einmal ausprobieren wollen, senkt das die Einstiegshürde erheblich, weil kein sechsstelliger Anschaffungsbetrag am Anfang steht. Es ist zugleich der bislang konkreteste Weg, auf dem ein AgiBot-Roboter in einen deutschen Betrieb kommt.

GO-1 und GO-2: die Software ist der eigentliche Kern

Hardware allein erklärt den Vorsprung nicht. AgiBot entwickelt eigene Basismodelle für verkörperte KI, und die tragen die Bezeichnung Genie Operator.

GO-1 erschien 2025 und nutzt eine Architektur, die AgiBot ViLLA nennt. Sie verbindet Sehen, Sprache und Handlung in einem gemeinsamen Modell. Praktisch heißt das: Der Roboter kann eine gesprochene Anweisung verstehen, die Szene vor sich einordnen und daraus eine Handlungsfolge planen, ohne dass jemand für jede Aufgabe ein Programm schreibt.

GO-2 ist die Nachfolgegeneration. Der Anspruch dahinter zielt auf eine bekannte Schwachstelle solcher Systeme. Modelle wie GO-1 sind gut darin, eine Aufgabe zu verstehen und grob zu planen, aber schwach darin, die letzten Zentimeter präzise auszuführen. Ein Roboter, der weiß, dass er einen Stecker einstecken soll, scheitert oft an der Feinmotorik. GO-2 soll logisches Schließen und präzise Ausführung in einer Architektur zusammenbringen. Ob das in der Breite funktioniert, wird sich an Einsätzen wie dem bei Longcheer zeigen.

Dazu kommt Genie Sim, eine Simulationsumgebung, in der Roboter Aufgaben virtuell tausendfach üben, bevor sie an echter Hardware laufen. Das ist derselbe Ansatz, den NVIDIA, Tesla und Figure ebenfalls fahren, und er ist der Grund, warum Trainingsdaten aus echten Einsätzen so wertvoll sind. Wer 15.000 Roboter im Feld hat, sammelt Daten, an die Wettbewerber mit dreistelligen Flottengrößen nicht herankommen. Das ist vermutlich der strategisch wichtigste Vorteil, den AgiBot aus seinen Stückzahlen zieht.

Der Weg an die Börse

Die Börsenpläne von AgiBot haben eine Vorgeschichte, die viel über den chinesischen Kapitalmarkt verrät.

Im Juli 2025 kündigte das Unternehmen an, über zwei Beteiligungsvehikel mindestens 63,62 Prozent an Swancor Advanced Materials zu übernehmen, einem in Shanghai notierten Hersteller von Werkstoffen für Windkraftflügel. Der Kaufpreis lag bei rund zwei Milliarden Yuan, etwa 279 Millionen US-Dollar. Beobachter werteten das sofort als Vorbereitung einer Notierung durch die Hintertür, weil AgiBot als Unternehmen von damals gut zwei Jahren die Dreijahresfrist für einen regulären Reverse-IPO nach chinesischem Recht nicht erfüllte. AgiBot widersprach und erklärte, die Transaktion falle nicht unter die einschlägige Definition einer Mantelübernahme.

Wie man das bewertet, bleibt Auslegungssache. Faktisch verfügt AgiBot seitdem über eine börsennotierte Plattform am chinesischen Festland.

Der Schritt vom 24. Juli 2026 ist davon getrennt. AgiBot hat in Hongkong ein reguläres IPO-Verfahren eingeleitet und peilt eine Bewertung zwischen 40 und 50 Milliarden Hongkong-Dollar an, also rund 5,1 bis 6,4 Milliarden US-Dollar. Begleitet wird die Emission von CITIC Securities, der China International Capital Corporation und Morgan Stanley.

Damit steht AgiBot in einem Wettlauf, der die gesamte Robotikbranche erfasst hat. Unitree hat im Juli 2026 die Zulassung für den STAR Market in Shanghai erhalten, wie im Beitrag zum Unitree-Börsengang beschrieben. Parallel fließt Wagniskapital in einer Größenordnung, die es in der Robotik noch nie gab. AI² Robotics sammelte rund 735 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von knapp drei Milliarden ein, LimX Dynamics 200 Millionen bei 2,21 Milliarden Bewertung, und das amerikanische Start-up Walden Robotics kam am 15. Juli 2026 direkt aus dem Verborgenen mit 300 Millionen US-Dollar Seed-Finanzierung und einer Bewertung von 1,1 Milliarden. Die Botschaft dahinter ist klar: Die Unternehmen wollen Kapital aufnehmen, solange die Stimmung gut ist, und den Vorsprung in Fertigungskapazität umsetzen.

Für Anleger ist das eine zweischneidige Situation. Die Bewertungen setzen ein Wachstum voraus, das erst noch geliefert werden muss, und die Ertragslage der meisten Hersteller ist dünn. Wer sich mit dem Thema befasst, sollte die Zahlen im Emissionsprospekt abwarten, statt sich an Bewertungsschlagzeilen zu orientieren. Das ist keine Anlageempfehlung, sondern der Hinweis, dass belastbare Geschäftszahlen zu AgiBot bislang schlicht nicht öffentlich sind.

Was das für den Wettbewerb bedeutet

Die Robotikbranche hat sich 2026 in zwei Lager sortiert, die mit unterschiedlichen Annahmen arbeiten.

Das eine Lager, vertreten durch Tesla, Figure und Apptronik, setzt auf ein hochentwickeltes Universalmodell. Die Wette lautet: Wer zuerst einen Roboter hat, der wirklich fast alles kann, gewinnt den Markt, und die Stückzahlen kommen dann von selbst.

Das andere Lager, vertreten durch AgiBot, Unitree, UBTECH und XPeng, setzt auf Menge und Spezialisierung. Die Wette lautet: Wer viele Roboter in echten Umgebungen hat, sammelt Daten, senkt Stückkosten und lernt schneller, was in der Praxis tatsächlich gebraucht wird.

Bisher ist keine der beiden Wetten entschieden. Was sich aber sagen lässt: Die zweite Strategie erzeugt derzeit mehr überprüfbare Fakten. Ein Roboter, der bei Longcheer seit Monaten Prüfstationen bestückt, ist eine belastbarere Aussage über den Stand der Technik als ein Demovideo. Umgekehrt bleibt offen, ob sich aus vielen einfachen Aufgaben je ein Universalroboter entwickelt oder ob das zwei verschiedene Produkte sind.

Für europäische Unternehmen ist die Lage unbequem. Der einzige nennenswerte deutsche Anbieter im Vollformat-Segment ist Neura Robotics mit dem 4NE-1, dessen große Version nach Unternehmensangaben erst gegen Ende 2026 ausgeliefert werden soll. Das ist ein ernstzunehmender Ansatz, aber eben kein fünfstelliger Produktionsstand. Wer in Europa 2026 einen humanoiden Roboter beschaffen will, landet in aller Regel bei einem chinesischen oder amerikanischen Hersteller. Eine Übersicht der Anbieter und ihrer Modelle bietet die Seite humanoide Roboter Hersteller, die technischen Daten stehen im Vergleich der Modelle.

Die Punkte, die man kritisch sehen sollte

Drei Dinge relativieren die Erfolgsmeldungen, und sie gehören in jedes ehrliche Porträt dieses Unternehmens.

Erstens sind die Stückzahlen nicht nach Modellklassen aufgeschlüsselt. Ein X2 für ein Universitätslabor und ein A3 Ultra für den Dauereinsatz sind wirtschaftlich zwei völlig verschiedene Produkte. Solange AgiBot die Mischung nicht offenlegt, lässt sich aus 15.000 Einheiten kein Umsatz ableiten.

Zweitens sind fast alle Leistungsdaten Herstellerangaben. Die Zahlen aus dem Longcheer-Werk, die Erfolgsquote, die Taktzeiten: nichts davon ist unabhängig verifiziert. Das gilt allerdings für praktisch die gesamte Branche, auch für die westlichen Anbieter.

Drittens gibt es eine geopolitische Komponente. AgiBot drängt mit Nachdruck auf Exportmärkte, gleichzeitig unterliegen chinesische Unternehmen Kooperationspflichten gegenüber den heimischen Sicherheitsbehörden. Roboter mit Kameras, Mikrofonen und Netzanbindung in Fabrikhallen oder Empfangsbereichen werfen deshalb Fragen zur Datenhoheit auf, die westliche Kunden vor einer Beschaffung klären sollten. Das ist kein Vorwurf gegen ein einzelnes Unternehmen, sondern eine Rahmenbedingung, die für den ganzen Markt gilt.

Einordnung

AgiBot ist der interessanteste Hersteller humanoider Roboter, über den in Deutschland am wenigsten gesprochen wird. Das Unternehmen hat in gut drei Jahren eine Position aufgebaut, die in dieser Branche kein anderer hat: die größte ausgelieferte Flotte, die breiteste Modellpalette und einen eigenen KI-Stack, der aus dieser Flotte lernt.

Ob daraus ein dauerhaft profitables Geschäft wird, ist offen. Der Börsengang in Hongkong wird zum ersten Mal belastbare Zahlen zu Umsatz, Marge und Kundenstruktur liefern, und erst dann lässt sich beurteilen, ob die 15.000 Roboter tatsächlich ein Geschäftsmodell tragen oder ob vor allem geförderte Pilotprojekte gezählt wurden.

Eines lässt sich aber schon heute sagen. Wer 2026 über den Stand humanoider Robotik spricht und dabei nur Tesla, Figure und Boston Dynamics nennt, beschreibt weniger als die Hälfte des Marktes.

Häufige Fragen

Was ist AgiBot?+

AgiBot, in China unter dem Namen Zhiyuan Robotics bekannt, ist ein Hersteller humanoider Roboter mit Sitz in Shanghai. Das Unternehmen wurde im Februar 2023 von den beiden früheren Huawei-Managern Deng Taihua und Peng Zhihui gegründet und baut zweibeinige Humanoide, radgetriebene Industrieroboter, Vierbeiner sowie die dazugehörigen KI-Modelle. Laut dem Marktforschungsunternehmen Omdia war AgiBot 2025 weltweit die Nummer eins bei den Auslieferungen humanoider Roboter.

Wie viele Roboter hat AgiBot ausgeliefert?+

AgiBot hat Ende Juni 2026 den 15.000sten Roboter gefertigt. Im März 2026 lag die kumulierte Zahl noch bei 10.000 Einheiten, im gesamten Jahr 2025 waren es nach Omdia-Zählung 5.168 ausgelieferte Humanoide. Damit produziert AgiBot deutlich mehr Einheiten als jeder westliche Wettbewerber.

Geht AgiBot an die Börse?+

Ja. AgiBot hat am 24. Juli 2026 das Verfahren für einen Börsengang in Hongkong gestartet. Angestrebt wird eine Bewertung zwischen 40 und 50 Milliarden Hongkong-Dollar, umgerechnet rund 5,1 bis 6,4 Milliarden US-Dollar. Als Konsortialführer begleiten CITIC Securities, CICC und Morgan Stanley die Emission. Parallel hält AgiBot über die Beteiligung am Shanghaier Werkstoffhersteller Swancor bereits eine Präsenz am chinesischen Festlandsmarkt.

Welche Roboter baut AgiBot?+

AgiBot hat die breiteste Modellpalette der Branche unter einer Marke. Dazu zählen die zweibeinige A2-Reihe in Menschengröße, der kompakte X2 für Bildung und Interaktion, der radgetriebene Industrieroboter G2 sowie der Vierbeiner D1. Neuestes Spitzenmodell ist der auf der WAIC 2026 vorgestellte A3 Ultra mit 1,74 Meter Höhe, 51 Freiheitsgraden und NVIDIA-Thor-Recheneinheit.

Ist AgiBot besser als Tesla Optimus oder Figure?+

Besser lässt sich so pauschal nicht sagen, weil die Unternehmen unterschiedliche Ziele verfolgen. Bei ausgelieferten Stückzahlen liegt AgiBot derzeit klar vorn, während Tesla und Figure auf sehr wenige Modelle mit hoher Fertigungstiefe setzen. Bei der Autonomie in schwierigen Aufgaben gelten die amerikanischen Anbieter weiterhin als stark. Die belastbarste Aussage lautet: AgiBot gewinnt gerade das Rennen um Produktionsmenge und Marktdurchdringung, nicht zwingend das Rennen um die höchste Einzelleistung.